Atom-Kongress: "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?"

Das AKW Gundremmingen ist eine Gefahr für Augsburg

Grußwort beim Atom-Kongress der Grünen Landtagsfraktion: "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?"

Liebe Freundinnen und Freunde, herzlich Willkommen hier in Augsburg.

Augsburg ist ein guter Ort für diese Tagung, nicht weil ich euch als Grüner Referent für Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadt Augsburg – der ich seit 2 Jahren bin - hier begrüßen kann, sondern vor allem, weil Gundremmingen quasi vor den Toren von Augsburg liegt.

Bei guter Sicht und blauem Himmel kann man z.B. von der Gögginger Brücke gar nicht weit von hier die Kondenswolken der beiden Kühltürme von Deutschlands größtem und gefährlichsten AKW sehen. Die etwa 40 km entfernte Gefahr ist also oft sichtbar in der Großstadt Augsburg. Mit der Katastrophe in Fukushima am 11.März 2011 (dort standen Siedewasserreaktoren wie sie auch in Gundremmingen stehen) wurde wieder bewußt, welcher Gefahr Augsburg ausgesetzt ist: diese Stadt mit 285.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt in der 40 km Evakuierungszone, wie sie Greenpeace beim GAU in Fukushima forderte.

Also, Augsburg ist ein guter Ort um über die tödlichen Gefahren der AKWs aber speziell der beiden Blöcke in Gundremmingen zu diskutieren.

Nach der Katastrophe in Fukushima haben wir darüber im Stadtrat diskutiert und einen Beschluss gefasst, den mein CSU-Vorgänger formuliert hatte. Darin wird unter anderem die Bayerische Staatsregierung aufgefordert,

die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen darzustellen, die mit einer Abschaltung der Kernkraftwerksblöcke B und C Grundremmingen für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Augsburg verbunden sind”.

Na ja, da klingt sie immer noch durch die ambivalente Haltung der CSU-Landesregierung zur Atomkraft. Wenigstens sollten die Auswirkungen eine Stilllegung von Gundremmingen geprüft werden, das wäre vor Fukushima noch undenkbar gewesen.

Im Jahr 2012 schreibt dann der damaligen CSU-Umweltreferent im Vorwort des städtischen Klimaschutzberichts schon klarer:

„Es entsteht bei vielen Bürgerinnen und Bürgern der falsche Eindruck, dass nur wegen der erneuerbaren Energien an der Strom-Preisschraube gedreht werden muss. Hierzu muss man jedoch wissen, dass die konventionellen Energieträger Kernenergie, Steinkohle und Braunkohle seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang von staatlichen Förderungen, insbesondere in Form von Finanzhilfen und Steuervergünstigungen, profitieren. Der Unterschied zu den erneuerbaren Energien besteht vor allem darin, dass ein Großteil der Kosten nicht transparent über den Strompreis ausgewiesen und bezahlt wird, sondern zu Lasten des staatlichen Haushalts geht. Hinzu kommt, dass die fossilen und atomaren Energieträger hohe Folgekosten durch Umwelt- und Klimaschäden verursachen, sowie die mit Kernenergie verbundenen Risiken nicht abdeckbar sind.“

Diesem Vorwort haben wir Grüne im Stadtrat mit großer Begeisterung zugestimmt.

Es hat sich auch sonst – wenn für uns Grüne auch oft zu zaghaft – was getan beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. In der Wasserstadt Augsburg spielt die Wasserkraft die führende Rolle beim Ausbau. Das bekannteste Augsburger Wasserkraftwerk ist seit 2013 am Hochablass in Betrieb – einem seit 100 Jahren bestehendem Stauwehr im Stadtgebiet. Es liefert in einem durchschnittlichen Jahr Strom für 3.900 Haushalte. Zudem wurden kontinuierlich alte Wasserkraft-Anlagen wieder in Betrieb genommen oder modernisiert, sodass mittlerweile über 40.000 Haushalte mit Energie aus Wasserkraft versorgt werden können.

Bei den anderen regenerativen Energieträgern besteht allerdings noch Nachholbedarf. Windenergie ist im Stadgebiet nicht vorhanden. Hier macht uns die 10h-Regelung auf dem begrenzten Augsburger Stadtgebiet aber auch in Stadteigenen Waldflächen außerhalb des Stadtgebiets einen Strich durch die Rechnung. Nur zögerlich entstehen in den angrenzenden Landkreisen die ersten Windkraftanlagen. Die Solarenergie hingegen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Von niedrigem Niveau gestartet, hat sich die eingespeiste Leistung aus Photovoltaikanlagen seit dem Jahr 2010 verdreifacht.Hier besteht noch viel Potential. Eine wichtiger strategischer Schritt war die Erfassung des Solarpotentials der Stadt, das im entstandenen Solardachflächenkataster den Bürgerinnen und Bürgern zugänglich gemacht wurde.

Aber auch mit modernen, innovativen Ideen kann die Stadt punkten. Durch die allseits bekannten Schwankungen bei den Erneuerbaren Energien entstehen an manchen Tagen Überschüsse, die aufgefangen werden müssen. Mit einer “Power-to-Heat” Anlage der Stadtwerke können im Stadtteil Lechhausen Stromspitzen aufgefangen und in Wärme umgewandelt werden. Diese wird dann ins Fernwärmenetz der Augsburger Stadtwerke eingespeist.

Und an einem Samstag darf der Fussball nicht fehlen: Ein kleiner Schritt der Energiewende ist das Fußballstadion des FC Augsburg. Es gilt als erstes CO2-neutrales Stadion der Welt. Wärmepumpen, 40 Meter tiefe Brunnen und ein Bioerdgaskessel erzeugen die benötigte Energie für Umkleiden, Logen, Büros und Rasenheizung.

Selbstverständlich ist es eine gute Sache, dass das Stadion CO2-neutral ist. Viel wichtiger daran ist allerdings die Aussenwirkung. Die Bürgerinnen und Bürger bei der Energiewende mitzunehmen ist essenziell für ihren Erfolg. Um dies gewährleisten zu können hat die Stadt als weiteren Schritt nach der Katastrophe in Fukushima Energiewende-Veranstaltungen ins Leben gerufen. Dreimal jährlich stellt die Stadt in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken ein abwechslungsreiches Programm zusammen um die Notwendigkeit der Energiewende zu erklären und die Vorteile der Maßnahmen darzustellen.

Vergangenes Jahr hatten wir eine Podiumsdiskussion an der Hochschule Augsburg, bei der WissenschaftlerInnen mit Wirtschaft und Politik über die technologischen Herausforderungen, Investitionen und Ressourcenproblematik, sowie über politische und gesellschaftliche Entwicklungen diskutiert haben.

Wir haben unter dem Titel “Klimawandel – Filme und Gespräche für junge Leute” zu einem Kinonachmittag für ein jüngeres Publikum eingeladen oder bei einer weiteren Veranstaltung über Carsharing Angebote in Augsburg informiert. Unsere Stadtwerke haben dazu eine eigene GmbH und inzwischen 21 Standorte mit 42 Fahrzeugen eingerichtet. Ein guter Beitrag für ein umweltverträgliches Mobilitätskonzept.

Wie Sie sehen haben wir viele kleinere und größere Schritte unternommen um uns von Atomstrom unabhängig zu machen und dabei den CO2 Austoss nicht zu erhöhen. Einige Erfolge können wir dabei verbuchen. Aber es gibt auch Probleme, die hier nicht verschwiegen werden sollen.

Als Beispiel kann das Gaskraftwerk der Stadtwerke genannt werden. Eine 20 Megawatt starke Anlage, die sicher nicht die modernste Anlage ist aber im Vergleich zur Kohle als schadstoffarm bezeichnet werden kann. Zudem kann die Anlage schnell hochgefahren werden und somit Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Es könnte somit eine wichtige Übergangslösung bei der Energiewende sein. Leider steht die Anlage mittlerweile öfter still, als dass sie läuft. Dieses Schicksal teilt sie zur Zeit mit anderen Gaskraftwerken in Bayern. Es ist vor allem die hochsubventionierte Braunkohle daran schuld, dass sich der Betrieb von Gaskraftwerken nicht mehr lohnt. Aber auch die Energiegewinnung aus Atomstrom.

Über die Gefahren von Atomstrom und Möglichkeiten für einen rascheren Ausstieg werden wir heute viel erfahren. Ich freue mich auf interessante Diskussionen und freue mich, dass Sie und ihr in Augsburg seid.

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