Bedrohte Tierart hilft seltenen Arten  
Augsburg. Umweltministerin Ulrike Scharf besucht Wildpferde im Naturschutzgebiet „Stadtwald
Augsburg“ und attestiert dem Beweidungsprojekt Vorbildcharakter.
Rund 2.000 Przewalskipferde (= Wildpferde) gibt es weltweit. Fünf von ihnen – genau gesagt fünf
Junghengste - leben seit 2007 im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Bis 2011 standen ihnen
zunächst 15 Hektar Kiefernwald als Lebensraum zur Verfügung. Dann wurde die Größe des Geheges
nahezu verdoppelt. Seither gehört auch eine Lechheide zum Revier der fünf Junggesellen.

 
„All You can eat“ für Wildpferde
Die robusten Tiere sind nicht ganz ohne Grund da. Sie haben einen Auftrag, und der ist recht simpel,
denn er lautet „fressen“. Auf dem Speisezettel der Wildpferde stehen vor allem Gräser, aber auch
Sträucher und die Rinde von Bäumen. Ihr stetiger Drang nach Futter hält die Grasschicht kurz und
drängt die Sträucher zurück. Damit sorgen die Pferde dafür, dass jede Menge Sonnenstrahlen den
Boden erreichen, wodurch wiederum gute Bedingungen für zahlreiche seltene Tier- und
Pflanzenarten der Lechheiden und Kiefernwälder entstehen. „Das ist sehr wichtig“, erklärt
Projektmanager Norbert Pantel, „immerhin gehört das Gebiet zu den artenreichsten in ganz Bayern!“


Gefördert über den Bayerischen Naturschutzfonds
„Als wir 2001 zum Ergebnis kamen, die lichten Wälder wieder beweiden zu wollen, war das etwas
völlig Neues," erinnert sich Rainer Schaal, Vorsitzender beim Landschaftspflegeverband Stadt
Augsburg, „ es gab von allen Seiten  Unterstützung - mancher hielt das ganze insgeheim für eine
Schnapsidee! Aber dann haben unsere "Przewalskis" die Sympathie der Bevölkerung  im Sturm
erobert. Heute  sind sie zu einem Besuchermagneten im Stadtwald geworden und die
wissenschaftlichen Begleituntersuchungen beweisen, dass wir den richtigen Weg gegangen sind“.
Über die Jahre betrachtet ist die Beweidung mit den Wildpferden eine sehr kostengünstige Variante
der Landschaftspflege. Allerdings bedarf es für den Bau des Zauns einer größeren Anfangsinvestition.
Beim Landschaftspflegeverband war man daher froh, dass der Bayerische Naturschutzfonds als
Projektförderer eingesprungen ist. Fast 160.000.- € Fördermittel sind seit 2011 geflossen. Außer für
den Zaunbau wurden die Mittel zur Finanzierung der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen, der
Besucherinformation und der für die Projektabwicklung anfallenden Personalkosten verwendet.


Ausgezeichneter Artenschutz und attraktive Naherholung  
Umweltministerin Ulrike Scharf, die Kraft Amtes auch Vorsitzende des Bayerischen Naturschutzfonds
ist, hat sich nun vor Ort einen Eindruck vom Projekt gemacht und ist beeindruckt: „Die Wildpferde
sind einzigartige Botschafter für den Naturschutz. Das Projekt zeigt: Städte sind Naturerlebnis-Zonen.
Der Stadtwald in Augsburg ist eines der größten Naturschutzgebiete in Bayern mit 3.000 Arten. Das
Beweidungsprojekt beeindruckt durch die zielgerichtete, wissenschaftlich fundierte Biotopflege und
die qualitativ hochwertige Öffentlichkeits- und Umweltbildungsarbeit Begeisterung für die Natur ist
der erste Schritt auf dem Weg zum Schutz der Natur. Ich freue mich, dass die Wildpferde auch ein
starkes ehrenamtliches Engagement mobilisiert haben. Dass das Projekt 2012 mit dem Umweltpreis
der Bayerischen Landesstiftung ausgezeichnet wurde, zeigt seine  Bedeutung für den Naturschutz. Im
letzten Jahr haben wir außerdem 3 der ehrenamtlichen Naturschutzscouts für ihr herausragendes
Engagement den Grünen Engel des Umweltministeriums verliehen.“  


Strahlkraft für die Umweltstadt Augsburg
Der Umweltreferent der Stadt Augsburg, Reiner Erben, kann diese Einschätzung nur bestätigen:
„Unser Stadtgebiet – und ganz besonders das Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“ – ist geprägt
von einer außerordentlich hohen Biologischen Vielfalt. Wir sind uns der hohen Verantwortung für
dieses einzigartige Naturerbe bewusst. Projekte wie dieses leisten einen wichtigen Beitrag, um
Naturschutzthemen in der Stadtgesellschaft dauerhaft zu verankern und darüber hinaus für eine
hohe Akzeptanz für Maßnahmen des Naturschutzes zu werben.“


Wildpferde bleiben!
Nicolas Liebig, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband, hat das Projekt maßgeblich mit
initiiert. Er ist sich absolut sicher: „Die Wildpferde werden auch nach Ende der Projektförderung auf
der Hasenheide für den Erhalt dieser außergewöhnlichen Artenvielfalt sorgen und darüber hinaus
viele Naherholungssuchende mit ihrem bloßen Anblick erfreuen. Und vielleicht wird es in Augsburg
nicht beim letzten Beweidungsprojekt dieser Art bleiben!“


Projekthintergründe:
Das Projekt läuft seit 2007 und lässt sich in zwei Zeitabschnitte einteilen:
-  2007 – 2011: Beweidung von 15 ha lichtem Kiefernwald; Förderung über Deutsche
Bundesstiftung Umwelt (DBU).
-  2011 – 2015: Erweiterung des Weidefläche um 13 ha; Förderung über Bayerischen
Naturschutzfonds.
Der Kiefernwald steht den Wildpferden das ganze Jahr über zur Verfügung. Die angrenzende
Hasenheide beweiden sie nur im Winterhalbjahr (1.10. – 31.3.). Außerhalb dieser Zeit ist die
Hasenheide für Besucher begehbar.  
Die fünf Junghengste stammen aus europäischen Zoos. Sie werden während dem Jugendalter in
sogenannten „Semireservaten“ zwischengeparkt, bevor sie in einem Zoo eine Haremsgruppe
übernehmen und für Nachwuchs sorgen dürfen.  
Auch in freier Wildbahn bleiben Junghengste länger in einer Junggesellengruppe. Hier trainieren sie
zunächst spielerisch und schließlich mit zunehmendem Ernst Kampf- und Dominanzverhalten. Dieses
Training bereitet die jungen Hengste auf ihr späteres Leben in einer Haremsgruppe vor.
Wichtiger Projektpartner ist der Zoo Augsburg. Er übernimmt die veterinärmedizinische Betreuung
der Tiere und organisiert den Austausch mit anderen Zoos. 

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