Begrüßung „Kulturlandschaft braucht Schafe! Strategie zur Förderung der Hüteschäferei in Bayern“ auf der Hasenheide im Stadtwald Augsburg

Augsburg ist eine Naturschutzstadt

-          > 25% des Stadtgebietes stehen unter Naturschutz

-          Stadtwald Augsburg mit rund 2.200 Hektar größtes außeralpines Naturschutzgebiet in Schwaben

-          nicht nur das: es ist auch eines der artenreichten Naturschutzgebiete Bayerns!

Besonderes Augenmerk des Naturschutzes sind die Lechheiden.

Sie entstanden durch jahrhundertlange Beweidung mit Schafen.

Aus ganz Süddeutschland kamen Wanderschäfer in den Sommermonaten an den Lech, um hier auf den Lechheiden ihre Tiere zu weiden.

Sie taten das nicht ohne Grund:

-          Die Lechheiden boten mit ihrem mageren Aufwuchs kaum Möglichkeiten einer anderen Nutzung als der Beweidung mit robusten Schafen

-          und es war für die Schäfer durchaus lukrativ, die Lechheiden aufzusuchen, denn im nahen Augsburg fanden sie Abnehmer für ihr wichtigstes Produkt: die Schafwolle.


so wurden im Jahr 1852 auf dem Augsburger Wollmarkt 110 Tonnen Schafwolle verkauft. Sicherlich war da auch schon Importware aus Großbritannien mit dabei, es kann aber davon ausgegangen, dass ein Großteil der Schafe, die dafür geschoren werden mussten, auf den Lechheiden in Augsburg weideten. Bei 110 Tonnen werden es wohl um die 50.000 gewesen sein!

Das Ergebnis dieser Schafbeweidung war eine einzigartige und unter heutigen Maßstäben unvorstellbar artenreiche Kulturlandschaft, die wir heute als „Lechheide“ bezeichnen.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war quasi fast das gesamte Lechfeld zwischen Augsburg und Landsberg eine riesige zusammenhängende Lechheide, die wegen ihrer Trockenheit auch oft als „Steppe“ bezeichnet wurde. Deswegen lies König Ludwig I im Jahr 1833 auf der Postkutschen-Strecke zwischen Augsburg und Kloster Lechfeld drei Brunnen graben, damit sich Reisende in dieser trockenen und weitestgehend baumfreien „Steppe“ mit Wasser versorgen konnten. Dankbare Wallfahrer und Reisende nannten sie die „Königsbrunnen“, was sich offensichtlich in der Namensgebung der heutigen Stadt niederschlug.

Heute ist nur noch 1% der Lechheiden übrig. Die Hasenheide ist also nur ein kleiner Rest dieser einstigen Pracht. Und spätestens nach dem 2. Weltkrieg waren Wanderschäfer in Augsburg nur noch ein seltener Anblick.

Das sollte sich ändern, denn unser Landschaftspflegeverband hat sich bereits kurz nach seiner Gründung im Jahr 1995 dazu entschlossen, die Wanderschäferei als traditionelle Nutzungsform der Lechheiden wieder einzuführen.

Als erstes wurde für den Stadtwald Augsburg ein Beweidungskonzept erarbeitet, bei dem alle Grundstückseigentümer einbezogen und Reglementierungen berücksichtigt wurden.

Auf dieser Grundlage findet seit 1998 die Beweidung statt.

Im Jahr 2001 wurde auch im Augsburger Norden ein Weiderevier neu gegründet und sehr bald realisiert.

Heute werden im Stadtgebiet über 140 ha Naturschutzflächen in zwei Weiderevieren beweidet.

Schäfer Josef Hartl ist heute hier und wird uns noch sicherlich einiges aus seinem Schäferalltag in der Stadt berichten.

Beweidet werden mittlerweile nicht nur Biotopflächen sondern auch Ausgleichsflächen, Konversionsflächen und städtische Grünflächen.

Der Schäfer erhält für seine Leistungen auf Biotopflächen Mittel aus dem Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm und für die Beweidung von Ausgleichsflächen Mittel von den jeweiligen Ausgleichsverpflichteten.

Schäfer haben einen Knochenjob:

-          sieben Arbeitstage die Woche

-          täglich mindestens 10 Stunden Arbeit

-          kaum Urlaub.

Hinzu kommt – gerade in Stadtnähe – der tägliche Kontakt zu Naherholungssuchenden, der nicht selten mit Konflikten verbunden ist.

Unsern Schäfer zeichnet glücklicher Weise eine große Nervenstärke aus. Aber trotzdem braucht er Unterstützung:

-          sei es durch die Vermittlung von Weideflächen

-          die intensive Information der Bevölkerung

-          oder die Unterstützung bei der Vermarktung von Lammfleisch aus der Landschaftspflege

In all diesen Punkten legen wir einen großen Schwerpunkt, denn uns ist es wichtig, dass wir hier in Augsburg einen Wanderschäfer haben.

Dieser Termin heute findet hier in Augsburg statt, weil wir hier ein Positivbeispiel zeigen können, wie ein Schäfer unterstützt werden kann, damit der er für sich und seinen Betrieb eine Perspektive hat.

Ich freue mich, dass heute so zahlreiche Interessensgruppen ihre Solidarität zur bayerischen Hüteschäferei erklären. Wichtig ist es natürlich, diese Bekundungen in konkrete Taten münden zu lassen. Denn die Hüteschäferei ist nicht nur hier in Augsburg sondern auch in vielen anderen Regionen ein wesentlicher Bestandteil unserer einzigartigen bayerischen Kulturlandschaften.

Zum Schluss möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei allen zu bedanken, die hier in Augsburg mitwirken und unterstützen:

-          Stadtforstverwaltung, Amt für Grünordnung und Naturschutz, Stadtwerke Augsburg Wasser GmbH und Wasserwirtschaftsamt für die Bereitstellung der Grundstücke

-          Untere und Höhere Naturschutzbehörde für die fördertechnische und fachliche Unterstützung

-          dem Naturwissenschaftlichen Verein für seine ehrenamtliche fachliche Begleitung.

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