Besuch von Staatsministern Scharf bei den Wildpferden im Augsburger Stadtwald

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Scharf,

sehr geehrter Herr Vorsitzender Schaal,

sehr geehrte Stadtratskolleginnen und -kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf Sie auch im Namen unseres Oberbürgermeisters Dr. Kurt Gribl recht herzlich im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“ begrüßen. Er schätzt die Arbeit des Landschaftspflegeverbandes sehr und hätte deswegen diesen Termin selber gerne wahrgenommen. Jedoch ist heute auch zeitgleich die Bundeskanzlerin in Augsburg, und ihr Zeitbudget lässt es leider nicht zu, sich die Wildpferde im Stadtwald anzuschauen.

Wir freuen uns sehr, dass Sie, sehr geehrte Frau Staatsministerin, heute hier sind. Wussten Sie, dass mindestens je ein Besuch Ihrer vier Vorgänger in unserer schönen Stadt Augsburg auf Einladung unseres Landschaftspflegeverbandes erfolgte. Und jedes Mal wurde dem jeweiligen Minister ein anderes Projekt vorgestellt. Heute Ihnen die Beweidung mit Wildpferden.

Die Anlässe der Besuche belegen: Es muss etwas dran sein, an der landauf-landab immer wieder zu hörenden Einschätzung, dass sich unser Landschaftspflegeverband durch kreative, innovative und erfolgreiche Projekte auszeichnet.

Der Verband hat in Augsburg ein großes Betätigungsfeld, denn Augsburg ist eine Naturschutzstadt! Mehr als ¼ unserer 147 km² großen Stadtfläche sind als Schutzgebiet im Sinne des bayerischen Naturschutzgesetzes ausgewiesen.

 15% der Stadtfläche sind Naturschutzgebiet, in Bayern sind es gerademal 2,3 %. Und knapp 17% der Stadtfläche gehören zur europäischen NATURA-2000-Gebietskulisse, und wieder ein Vergleich zu Bayern: hier sind es rund 11%.

Mit dem Stadtwald Augsburg haben wir nicht nur eines der größten, sondern auch der artenreichsten Naturschutzgebiete Bayerns. Spätestens beim Betrachten dieser Zahlen erkennt man: Natur und Stadt sind kein Widerspruch! Im Gegenteil, hier in Augsburg findet Natur Stadt!

Um nicht als „realitätsfern“ dazustehen, sage ich mit Blick auf die anwesenden Vertreter der Naturschutzverbände ganz deutlich: Auch wir in Augsburg haben mit dem Rückgang von Arten und ihren Lebensräumen zu kämpfen und auch oder gerade bei uns ist der fortschreitende Flächenverbrauch ein drängendes Problem, für das wir noch keine befriedigenden Lösungsansätze haben.

 

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führen auch bei uns zu einer zunehmenden Intensivierung in der Landwirtschaft mit den bekannten Folgen für Natur und Landschaft, wobei ich hier ganz bewusst die Verbraucher in die Pflicht nehme. Denn wir haben es durch unser Konsumverhalten in der Hand, welche Produktionsformen sich auf landwirtschaftlichen Fluren und in den Ställen etablieren. Tier- und Artenschutz fordern und gleichzeitig nur die billigsten Lebensmittel kaufen passt nicht zusammen!

Ein letztes Konfliktfeld, das ich erwähnen möchte, kommt in Ballungszentren ganz besonders zum Tragen: Die Naherholung. Es ist ein Konfliktfeld, das sich zwangsläufig ergibt. Denn wo lässt es sich vom Alltagstrubel einer Großstadt besser ausspannen, als in einer attraktiven, abwechslungsreichen Landschaft, die von viel Grün und Natur geprägt ist.

Es ist meist mehr Unwissenheit als Ignoranz, dass der Aufenthalt in der Landschaft zu einer Belastung für Lebensräume und Arten werden kann.

Ich bin überzeugt: Wir lösen diese Herausforderungen nur mit guten Praxisbeispiele. Denn wir müssen aufzeigen, dass es funktionieren kann und wie es funktionieren kann. Und damit komme ich zu den Wildpferden, die hier seit 2007 ökologisch hochwertigste Naturschutzflächen beweiden.

Hier wird nachweislich viel für den Schutz und den Erhalt der Biologischen Vielfalt getan und gleichzeitig eine Attraktion für die Stadtwaldbesucher geboten. Die Wildpferde machen in vielerlei Hinsicht einen guten Job: Sie fressen für die Artenvielfalt und toben fürs Auge. Gerade letzteres zieht die Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher auf sich. Niemand kann sich dem wunderbaren Anblick der Wildpferde entziehen. Sie sind perfekte Botschafter, über die sich einer breiten Bevölkerungsschicht Naturschutzthemen vermitteln lassen.

 

Weil sich Menschen am besten über Emotionen erreichen lassen, ist genau diese Strategie der Schlüssel zum Erfolg. Das Ergebnis sind Sensibilisierung für unser einzigartiges Naturerbe und mehr Akzeptanz für Naturschutz und Landschaftspflege. Jeder der hier Anwesenden stimmt mir mit Sicherheit zu, wenn ich sage: Nur wenn wir die Menschen mitnehmen, können wir im Naturschutz auch etwas erreichen! Wir sind schlicht und ergreifend darauf angewiesen, dass Naturschutz positiv wahrgenommen wird. Das Beweidungsprojekt „Stadtwald Augsburg“ leistet dazu einen großen Beitrag.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, dieses Projekt hat eine große Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Es wird mittlerweile sogar in verschiedenen touristischen Druckmedien als attraktives Ausflugsziel empfohlen. Und dank dieses Projektes werden Naturschutzthemen in der Stadtgesellschaft und damit automatisch auch in der Politik deutlich stärker wahrgenommen wie zuvor.

Ich möchte allen Beteiligten für die Realisierung dieser Idee danken, die am Anfang nicht immer sofort auf Zustimmung stieß.

Mein besonderer Dank gilt dem bayerischen Naturschutzfonds für die umfangreichen Fördermittel. Frau Staatsministerin, der Freistaat kann stolz sein auf dieses enorm wichtige Förderinstrument. Es ist die Voraussetzung dafür, dass sich solche spannenden Ideen in die Tat umsetzen lassen!

In diesem Zusammenhang möchte ich auch dem Zoo Augsburg für die gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit danken. Ohne Sie, Frau Dr. Jantschke, wären die Wildpferde nicht hier!

 

Grundstückverwaltende Behörde ist die Stadtforstverwaltung. Auch Sie, Herr Dauner, sind mit Ihrem Team großartige Unterstützer nicht nur in diesem Projekt, vielen Dank dafür!

Zum Schluss möchte ich auch den zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern in diesem Projekt ein herzliches Dankeschön aussprechen. Ihr seid unschätzbar wertvolle Stützen!

So, wie sich das hier alles darstellt, bin ich mir absolut zuversichtlich, dass die Wildpferde auch nach Auslaufen der Projektförderung durch den bayerischen Naturschutzfonds an Ort und Stelle zu sehen sein werden. Der vollsten Unterstützung der Stadtregierung kann sich der Landschaftspflegeverband auf alle Fälle sicher sein!

 

Und damit ein letzter und wichtiger Dank an den Landschaftspflegeverband, an Sie, Herr Vorsitzender Schaal und an den Geschäftsführer Nikolas Liebig und sein Team. Die gute Zusammenarbeit von Land- und Forstwirtschaft, von Naturschutz und der Kommune ist entscheidend für Naturschutz und Lebensqualität hier in Augsburg.

Vielen Dank!

 

Foto (oben auf der Seite): Naturfoto Michael Thoma

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