Seit Mitte Mai 2014 wurde verhandelt, überlegt, verworfen, neu entwickelt und entschieden. Nun ist es amtlich. Die Kresslesmühle kommt nach 17 jähriger Trägerschaft durch die Kulturhaus Kresslesmühle gGmbH in städtische Hand. Das erste bürgerschaftlich organisierte Kultur- und Begegnungshaus mit interkulturellem Ansatz hat in vielerlei Hinsicht eine für Augsburg zentrale Bedeutung. Die Strahlkraft der Mühle entstand durch das Netzwerk und die Aktivitäten drinnen und draußen, zuerst im Stadtteil, dann in der Stadtgesellschaft und weit darüber hinaus. Das Kabarettprogramm ist weit über die Landesgrenzen hinweg bekannt und ist Geburtsstätte der einen oder anderen großen Kabarettistenkarriere.

Die interkulturelle Akademie hat Maßstäbe einer gelebten Kultur der Vielfalt gesetzt. „Vielfalt“ wurde in diesem Sinne immer als eine Tatsache und eine zu gestaltende positive Vision der Zukunft gesehen. Das im Referat 2 angesiedelte Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt übernimmt mit der Kresslesmühle einen Schatz der Augsburger Stadtgesellschaft. Wir wollen die Kresslesmühle wieder zu einem lebendigen Teil unserer Stadt werden lassen.

Die heutige Ausschusssitzung soll nicht nur über den Übergang der Mühle an die Stadt positiv entscheiden, sondern auch über einen neuen Pächter. Ab dem 1.9. wird die Ideenwerkstadt mit Bernd Beigl die Gastronomie in der Kresslesmühle übernehmen. Die Ideenwerkstadt hatte sich in einem offenen Ausschreibungsprozess gegen zahlreiche Bewerbungen durchgesetzt. Nicht nur das kulinarische Angebot, sondern auch die Visionen des Gastronomen, die Kresslesmühle als Veranstaltungsort eigener Formate mit einzubeziehen hat die Auswahlkommission überzeugt.

 

Die gGmbH wird nach der Übergabe des operativen Geschäfts in eine geordnete Liquidation gehen. Die Tätigkeitsbereiche der Mühlen-gGmbH wurden in den letzten Monaten aufgesplittet.

 

Die Sparte Kabarett geht in die Zuständigkeit des Referats Kultur. Dort hat man sich dem Bereich angenommen und ein neues Format entworfen, welches zum Jahreswechsel startet. 

Der Bereich Interkultur geht an das Integrationsreferat. Auch hier wurde lange und ausführlich nach einer neuen Plattform gesucht um der Vielfalt in unserer Stadt gerecht zu werden. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Mit der Eingliederung der Interkultur-Stelle in das BfMig und der damit verbundenen Aufgabenbeschreibung kann es gelingen, in der Innenstadt wieder ein interkulturelles Zentrum zu etablieren.

Lediglich der interkulturelle Kinderhort der Mühle – Kolibri – konnte nicht erfolgreich weitervermittelt werden. Die gGmbH steht als Trägerin für den Kinderhort Kolibri spätestens ab Jahresende 2015 nicht mehr zur Verfügung. Ein neuer Träger konnte bisher nicht gefunden werden und auch eine einfache Übernahme des Hortes durch die Stadt Augsburg ist aus förderungstechnischen Gründen nicht möglich.

Mir ist bewusst – darauf weisen die Eltern in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und mich hin - dass dieser Kinderhort eine ganz besondere Einrichtung für Augsburg ist. Die besondere Situation, dass die Mühle gGmbH gleichzeitig Betreiber des Kulturhauses und des Horts ist, konnte bei der beabsichtigten Auflösung der GmbH zwar für das Kulturhaus im Sinne eines Betriebsübergangs eine Lösung gefunden werden, für Kolibri ist die Betriebsübernahme durch die Stadt nicht möglich, denn die Stadt kann nur dann übernehmen, wenn kein anderer Träger gefunden werden konnte. Über diesen Sachverhalt habe ich die Mühle Gesellschafter frühzeitig hingewiesen und darum gebeten, aktiv zu werden. Ein Nachweis der Suche nach einem Träger konnte der bisherige Träger Mühle GmbH nicht erbringen. Deshalb konnte die Stadt auch nicht übernehmen.

 

Derzeit sucht die gGmbH zusammen mit der Stadt nach Möglichkeiten, die Kinder auch im neuen Schuljahr 2015/2016 entsprechend betreuen zu können. Im Hintergrund werden zur Zeit noch andere Alternativen ausgelotet. Es sind alle involvierten Parteien bemüht eine tragbare Lösung für alle Kinder zu finden. Mit etwas Ruhe und Geduld könnte das in den nächsten Tagen schon der Fall sein.

 

Die langjährige Verwaltungsmitarbeiterin der Kresslesmühle wird nun als neue städtische Mitarbeiterin weiterhin in der Mühle tätig sein.

Es wird in den nächsten Monaten die Aufgabe sein, mit alten und neuen Akteurinnen und Akteuren der Stadtgesellschaft in der nächsten Zeit ein Nutzungs- und Betriebskonzept zu erarbeiten, das dem Geist der Mühle treu bleibt und auf die Fragestellungen der heutigen Zeit Antworten findet und neue Impulse setzt. Es wird nun darauf ankommen, dass es gelingt, gemeinsam mit der Stadtgesellschaft eine neue Vision für die Mühle zu entwickeln, die der vielfältigen Friedensstadt Augsburg gerecht wird.

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