Die Nachhaltigkeitswende einleiten! Anregungen für die nächsten 20 Jahre

20 Jahre Augsburger Nachhaltigkeitsprozes: Beobachtungen und Empfehlungen

Grußwort zur Veranstaltung Die Nachhaltigkeitswende einleiten! Anregungen für die nächsten 20 Jahre der lokalen Agenda 21

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Freundinnen und Freunde,

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer der nachhaltigen Entwicklung Augsburgs,

Schönen guten Abend,

ich darf Sie auch im Namen des Oberbürgermeisters Dr. Kurt Gribl ganz herzlich hier im Rathaus der Stadt Augsburg begrüßen.

20 Jahre Lokale Agenda 21, 20 Jahre Nachhaltigkeitsprozess in Augsburg sind ein Grund zum Feiern aber vor allem ein Grund für den Diskurs. Keine Häppchen also, sondern Diskussion. Dazu haben wie Sie heute eingeladen und es freut mich sehr, dass Sie alle gekommen sind um mitzudiskutieren.

Es freut mich ganz besonders, dass mit Prof. Dr. Reinhard Loske einer der deutschen Experten zum Thema Nachhaltigkeit gekommen ist.

Was Prof. Loske ausweist, ist zum einen die wissenschaftliche Fundierung – er war einer der Herausgeber der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ im Jahr 1995, die für die deutsche Nachhaltigkeitsbewegung ein ganz wichtiger Grundstein war – u.a. deshalb trägt die Lokale Agenda 21 Augsburg den Slogan „für ein zukunftsfähiges Augsburg“.

Zum Anderen hat Prof. Loske viel politische Erfahrung

- als Bundestagsabgeordneter in der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen von 1998 bis 2007 und als Mitentwerfer des EEG (Erneuerbaren Energien Gesetz), einer wichtigen Voraussetzung der Energiewende,

- Und von 2007 bis 2011 Senator für Bauen, Umwelt, Verkehr und Europa in Bremen.

Jetzt ist Reinhard Loske wieder in die Wissenschaft - in das Nachdenken - zurückgekehrt, als Professor für Politik, Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik an der Uni Witten/Herdecke.

Prof. Loske kann uns deshalb sowohl Rede und Antwort stehen wie auch Anregungen geben. Seine Gedanken hat er vor kurzem in einem gut lesbaren Buch zusammengefasst: „Politik der Zukunftsfähigkeit. Konturen einer Nachhaltigkeitswende“.

Dieses Buch ist eine sehr ruhige aber bestimmte Analyse der aktuellen Errungenschaften und Rückschläge zum Thema. Und es ist ein Plädoyer für den demokratischen Diskurs, den wir heute Abend auch hier in Augsburg führen wollen.

Herzlich willkommen in Augsburg!

Hintergrund dieser Veranstaltung sind 20 Jahre Augsburger Nachhaltigkeitsprozess und die Beobachtung, dass wir zwar ganz gut unterwegs sind, aber noch lange nicht am Ziel. Dass wir noch viel mehr Akteure und Aktivitäten brauchen.

Augsburg ist ganz gut unterwegs: beharrlich, systematisch, Schritt für Schritt. Für diese Beharrlichkeit möchte ich mich bei meinen Vorgängern Dr. Jürgen Bruggey, Thomas Schaller und Rainer Schaal bedanken und bei allen Aktiven in diesen 20 Jahren.

Entscheidende Schritte in diesen 20 Jahren waren:

  • Verschiedene Bürgerforen zur Entwicklung des Handlungsprogramms, das 2004 verabschiedet wurde und die mittlerweile 28 Agendaforen
  • Im Jahr 1996 die Einrichtung einer städtische Geschäftsstelle (jetzt Büro für Nachhaltigkeit, wirkt nach außen und nach innen, arbeitet auch auf nationaler Ebene mit)
  • Die Einrichtung eines Beirats im Jahr 1997 (zunächst Umweltbeirat, dann Agendabeirat, jetzt Nachhaltigkeitsbeirat – jetzt in der siebten Periode
  • Das Handlungsprogramm Nachhaltigkeit (das breit entwickelt wurde und sich in der Stadtgesellschaft verbreitet hat):

Dieses Handlungsprogramm klärt für uns die Dauerfrage, was denn Nachhaltigkeit überhaupt ist? Das haben wir in Augsburg, wiederum systematisch, gemeinschaftlich zu beantworten versucht – zuerst, als es um die „Leitlinien für ein zukunftsfähiges Augsburg“ im Jahr 1998 ging, dann beim „Handlungsprogramm Nachhaltigkeit“ (2002 bis 2004 entwickelt) – und jetzt letztes Jahr bei den „Zukunftsleitlinien für Augsburg“.

  • Seit 2006 gibt es den Augsburger Zukunftspreis und seitdem zeigen 400 Projekte breites Engagement für die Nachhaltigkeit (gesponsert von Stadtsparkasse – danke!)
  • Es gibt eine regelmäßige Nachhaltigkeitsberichterstattung, die nicht nur quantitativ mit Indikatoren, sondern vor allem qualitativ vielfältige Akteure aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft auflistet.
  • Bundesweite Anerkennung hat unsere Arbeit hier in Augsburg durch den Deutschen Nachhaltigkeitspreis als nachhaltigste Großstadt im Jahr 2013 erfahren: dieser Preis war nicht einfach zu bekommen, Augsburg war die zweite Stadt nach Freiburg. Wir wissen, dass wir noch nicht wirklich nachhaltig sind. Ausgezeichnet wurde das Bemühen der Stadtgesellschaft um Nachhaltigkeit, und da sind wir eben verhältnismäßig weit im Vergleich zu anderen deutschen Städten. Diese Auszeichnung verstehe ich, versteht die Stadt als Aufgabe, nachhaltige Entwicklung auszubauen. Inzwischen haben wir ein gewisses Nachhaltigkeitsprofil entwickelt, und da arbeiten wir zusammen mit vielen Akteuren weiter dran.
  • gefördert von einem Teil des Preisgeldes wurde das Lifeguide-Internetportal für nachhaltiges Leben neu aufgelegt. Der bevorstehende Neustart zielt auf breite Bevölkerungskreise und wird am 15.7. auf der Fair Handels Messe Bayern erstmals vorgestellt. Mitfinanziert wird der Lifeguide u.a. von Regio Augsburg Wirtschaft und Stadtsparkasse – danke!)
  • Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Nachhaltigkeit war die Überarbeitung der Ziele zu den Zukunftsleitlinien (erweiterter Zielkatalog – siehe Agendazeitung Seiten 12 und 13): Gemeinsame Ziele sind eine gute Grundlage und Orientierung: Denn - Mensch geht am liebsten dort mit, wo er bzw. sie das Ziel und das Tempo mitbestimmen kann.

Wichtig sind nun nicht nur die Inhalte, sondern auch das Verfahren: denn damit Ziele umgesetzt werden, geht es um die Ownership, darum, wer sich verantwortlich fühlt. Das haben wir, glaube ich, ganz gut geschafft: es sind stadtgesellschaftliche Ziele, von vielen. Und als Krönung wurden sie vom Stadtrat im letzten Jahr beschlossen.

  • Jüngstes Kind auf dem Weg ist die Nachhaltigkeitseinschätzung bei Beschlussvorlagen des Stadtrats (siehe Agendazeitung Seiten 10 und 11).

Sie zeigt: Wir als Stadtpolitik und Stadtverwaltung bekennen uns zu unserem Engagement. Diese Nachhaltigkeitseinschätzung ist ein Überdenken der Beschlussvorlagen daraufhin, wie sich ein bevorstehender Beschluss auf das Erreichen unserer Nachhaltigkeitsziele, der Zukunftsleitlinien, auswirkt – fördernd, hemmend oder mit keinem Effekt. Die Testphase läuft von Mai bis Oktober in 17 „Test“-ämtern und Dienststellen der Stadtverwaltung. Ich bin überzeugt, dass diese Nachhaltigkeitseinschätzung ein gutes Mittel ist für die Bewusstseinsbildung von Politik und Verwaltung. Dazu soll diese Einschätzung dienen. Als weiterer Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Stadt.

Ist das jetzt alles Schneckentempo oder Karawane? Jedenfalls: es reicht noch nicht.

Die entscheidende Frage ist: gehen immer mehr Leute mit?

Gehen immer mehr Unternehmen mit?

Das möchten wir heute und hier mit Ihnen und mit Reinhard Loske diskutieren.

Norbert Stamm, der Leiter des Büros für Nachhaltigkeit wird die Moderation übernehmen. Ihm und seinem Team mit Viebke Kieser und Claudia Gai Herzlichen Dank für die Vorbereitung dieser Veranstaltung und für die hoch engagierte Arbeit.

Zur Einstimmung noch ein Zitat aus dem Buch von Reinhard Loske:

„Man kann im Großen wie im Kleinen mit einer Politik der Nachhaltigkeit beginnen (oder weitermachen), vor allem in Städten und Gemeinden, die die besten Reallabore sind, die wir haben. Sie sind Bürgerin oder Bürger, also legen Sie los!“

Legen wir also wir los!

 

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