Stichworte für das Grußwort anlässlich des Symposiums

„Wiederhergestellte Synagogen. Raum – Geschichte – Wandel durch Erinnerung“

Samstag, 21. März 2015, 19:00 Uhr

Museumsdependance Ehemalige Synagoge Kriegshaber / Ulmer Str. 228 / 86156 Augsburg

 

Sehr geehrte Frau Dr. Schönhagen,

sehr geehrte Frau Dr. Heimann-Jelinek,

meine Damen und Herren,

 

vielen Dank für die Einladung zur heutigen Abendveranstaltung im Rahmen Ihres Symposiums „Wiederhergestellte Synagogen“.

Ich darf diesen Dank auch im Namen von Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl aussprechen, der heute leider nicht selbst anwesend sein kann. Ich weiß aber, dass er dem Thema eine hohe Wertschätzung entgegenbringt und er wünscht Ihrer Veranstaltung auf diesem Weg einen guten Verlauf.

 

Wir sind heute in mehrfacher Hinsicht an einem historischen Ort zusammengekommen. Die ehemalige Synagoge in Kriegshaber ist das älteste erhaltene jüdische Gotteshaus in Bayerisch-Schwaben.

 

Dieser besonderen Qualität ist sich die Stadt Augsburg bewusst. So haben wir seit 2011 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchführen können. Dies konnte nur mit der Unterstützung aus der Städtebauförderung, dem Entschädigungsfonds des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, der Bayerischen Landesstiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Bezirk Schwaben gelingen, denen an dieser Stelle ein besonderer Dank gilt.

Ziel dieser Sanierung war der Ausbau dieser ehemaligen Synagoge zu einer lebendigen, von der Bürgerschaft angenommenen und vital genutzten Stätte, an der Erinnern und Begegnen gleichermaßen stattfinden können.

 

Dass Erinnerung an die lange Geschichte jüdischen Lebens im heutigen Stadtteil Kriegshaber und an das Verbrechen seiner fast völligen Vernichtung in der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten an diesem Ort möglich wird, ist ein ausdrücklicher Wunsch des Stadtrates und der Stadt Augsburg.

 

Ebenso ist es unser Wunsch und unsere Erwartung, dass die Nutzung der ehemaligen Synagoge durch angemessene Veranstaltungen diesen Ort (wieder) zu einem kulturellen Schwerpunkt für den Stadtteil und darüber hinaus macht.

 

 

Dazu soll auch das Symposium heute und morgen seinen Beitrag leisten. Ich freue mich auf die Impulse, die wir gleich aus dem Vortrag von Frau Dr. Heimann-Jelinek erhalten werden. Sie war lange Jahre Chefkuratorin am jüdischen Museum in Wien. Auch aus den Diskussionen am morgigen Sonntag werden wir viel für unser weiteres Vorgehen hier vor Ort lernen dürfen.

 

Für Ihr Interesse und Ihr Kommen bedanke ich mich daher besonders bei unseren Gästen, die das Symposium mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen aus vielen anderen Städten bereichern – Ihnen ein herzliches Willkommen!

 

Sie sind in einer Stadt  zusammengekommen, die einige Tradition in der Würdigung jüdischen Lebens besitzt. So gibt es mit dem Jüdischen Kulturmuseum Augsburg Schwaben seit gut drei Jahrzehnten eine Einrichtung, die neben Ausstellungen und Vorträgen, vor allem durch die Dauerausstellung, einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte der Augsburger Juden gibt.

 

Mit der ehemaligen Kriegshaber Synagoge gibt es nun die Möglichkeit, dieses Angebot um weitere Elemente zu bereichern.

 

 

Eine Bereicherung die gut zu Augsburg passt. In unserer Stadt dürfen wir das einzigartige Augsburger Hohe Friedensfest am 8. August begehen. Dieser Tag ist Verpflichtung, den Friedensgedanken zu verbreiten. Eine Verpflichtung, der wir uns seit 365 Jahren verbunden fühlen und die wir immer wieder aktuell zu erfüllen haben.

 

Ein wichtiger Teil dieser Friedensarbeit ist auch der Blick in die Vergangenheit, ist die Erinnerung und die Arbeit mit der Erinnerung.

Dieser Ort hier in Kriegshaber, diese sanierte ehemalige Synagoge ist Teil der Erinnerungskultur, die in Augsburg in den letzten Jahren entwickelt wurde. Dieses Gebäude verweist auf Bedeutung und Rolle der jüdischen Gemeinde im Augsburger Vorort Kriegshaber. Dieses Gebäude war kulturelles Zentrum und Beispiel für gelungenes interethisches und interreligiöses Zusammenleben.

In einer vielkulturellen Stadt wie Augsburg mit 280.000 Einwohnern ist das ein sehr aktuelles Thema. Zu der christlich-jüdischen Tradition, die unseren Lebensraum seit Jahrhunderten geprägt hat, sind in den letzten Jahrzehnten andere Religionen und Weltanschauungen gleichberechtigt hinzugetreten.

 

Als Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Migration gehört es zu meinen Aufgaben, den Beitrag der Stadt Augsburg für einen Ausgleich der Interessen und für ein funktionierendes Gemeinwesen zu organisieren.

 

 

Vielfalt und Buntheit zählen zu den bestimmenden Merkmalen gegenwärtigen urbanen Lebens hier in Augsburg und an vielen anderen Orten der Welt. Politik und Verwaltung einer Stadt können Rahmenbedingungen schaffen und mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Gelebt werden muss die Vielfalt in unseren Städten aber von den Bürgerinnen und Bürgern. Zum Beispiel auch von der Israelitischen Kultusgemeinde und ihren Mitgliedern.

 

Gerade an ihrem Beispiel zeigt sich, dass Zuwanderung das Gemeindeleben über die Jahre stabilisiert hat. Das ist nicht ohne Auseinandersetzungen über den richtigen Weg gelungen – heute ist die Kultusgemeinde aber wieder ein wichtiger Akteur im sozialen und kulturellen Leben Augsburgs.

 

 

Ich freue mich darüber, dass wir in Augsburg wieder auf eine starke jüdische Gemeinde bauen können. Und ich freue mich, dass wir die Spuren jüdischer Geschichte und die Aktivitäten jüdischen Gegenwart gleich an zwei Stellen in Augsburg erleben können.

Das ist für mich gerade im Jahr 2015 ein wichtiges, ein gutes Zeichen. Vor 70 Jahren endete nicht nur der zweite Weltkrieg, sondern auch das Morden von Menschen jüdischen Glaubens.

 

Die kommenden Wochen markieren Jahrestage der Befreiung vieler Menschen aus unmenschlicher Qual, zum Beispiel des KZ Dachau und seiner Außenlager – wie der Halle 116 hier in Augsburg. Diese Halle steht noch - unweit von hier - als Teil einer ehemaligen Nazi-Kaserne. In dieser Halle waren ab 1944 bis zur Befreiung Zwangsarbeiter untergebracht, die unter anderem in der Augsburger Flugzeugindustrie eingesetzt wurden.

 

Nach langer – auch oft mühsamer – Diskussion über den Erhalt dieser Halle wird nächsten Monat ein Konzept vorgestellt werden, um das ehemalige KZ-Außenlager zu einem Denk- und Erinnerungsort zu entwickeln.

 

Gemeinsam sind wir verpflichtet zu aktiver Erinnerungsarbeit an Gewalt, brutalen Mord und dem Versuch, die kulturellen Beiträge Augsburger Juden auszulöschen. Und wir sind verpflichtet, Orte wie diesen zu schaffen und zu erhalten, die Erinnerung wachhalten.

 

Auch in diesem Sinn darf ich dem Symposium einen guten und nachhaltigen Erfolg wünschen.

Bedanken möchte ich mich bei allen, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben, bei den Referentinnen und Referenten der Tagung morgen, bei Ihnen Frau Dr. Heimann-Jelinek für den Eröffnungsvortrag, beim Verein der Freunde und Förderer des Jüdischen Kulturmuseums für die finanzielle Unterstützung und bei Ihnen, liebe Frau Schönhagen und Ihrem Team.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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