Impulse in der Augsburger-Integrationsarbeit

Das Ziel des neuen Projekts unter Reiner Erben, Referent für Interkultur und dem Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt heißt interkulturelle Kompetenz lernen und beweisen. Das Konzept von ZUSA – das steht für ‚Zusammen in Augsburg‘ überzeugte die EU. Sie hat das Projekt mit mehr als 1,3 Millionen Euro gefördert. Die Stadt stellte ZUSA am Dienstag in einer Pressekonferenz vor.

Respektvoll und gleichberechtigt in einer Stadt zusammenleben, in der die Hälfte einen Migrationshintergrund hat. Kulturelle und religiöse Vielfalt in unserer Friedensstadt leben. Diskriminierung und Rassismus – gegenüber Eingewanderten aber auch innerhalb von Migrantengruppen. Dies sind die zentralen Fragen unserer Integrationspolitik.

Unser Motto lautet: initiieren, strukturieren, finanzieren und kooperieren. Bestehende Strukturen nutzen, kooperieren, gute Projekte initiieren und finanzieren – oder finanzieren zu lassen. Dort wo ein Überblick fehlt oder Strukturen fehlen, schaffen wir den Überblick und strukturieren. So haben wir seit 2014 die Integrationsarbeit in Augsburg vorangetrieben. Nicht ausschließlich für Geflüchtete, sondern vor allem auch für Menschen mit Migrationshintergrund aus anderen EU-Staaten. Langfristig profitiert ganz Augsburg“, betont Erben.

Fortbildungen zur interkulturellen Kompetenz sind das Herzstück von ZUSA. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Augsburger Stadtverwaltung lernen in Seminaren, worauf es im Umgang mit Menschen aus verschiedenen Kulturen ankommt. Verständnis für unterschiedliches Verhalten und neue Perspektiven fließen so in die Arbeit der Verwaltung ein.

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Interkultur ist nah am Menschen. Ein Beispiel: In anderen Ländern gilt der direkte Augenkontakt wie er bei uns üblich ist, als äußert unhöflich. Ein junger Äthiopier schaut Respektpersonen oder Vorgesetzten so vielleicht nicht direkt in die Augen. Für eine Spanierin gilt 15 Minuten nach vereinbarter Zeit vielleicht noch als pünktlich. Hier setzt ZUSA an. Wer sich solche Unterschiede bewusst macht und interkulturelle Kompetenz aufweist, kann mit ihnen richtig umgehen. Somit wird interkulturelle Kompetenz in unserer Stadt langfristig verankert“, so Erben weiter.

Neben Grund- und Aufbauseminaren zur interkulturellen Kompetenz, werden auch Fortbildungen zum Hintergrundwissen unterschiedlicher Länder (Somalia, Afghanistan, Türkei, Syrien, Äthiopien etc.), Strategien im Umgang mit Rassismus und Diskriminierung oder Fortbildungen zur praktischen Anwendung interkultureller Kompetenz im Arbeitsalltag angeboten.

Hintergrundinformationen finden Sie hier

WAKA als Grundstein und Impulsgeber für Integration in Augsburg

ZUSA –das neue Integrationsprojekt baut auf WAKA auf. WAKA steht für Willkommens- und Anerkennungskultur in Augsburg. Fachkräfte gewinnen, Migrantinnen und Migranten sowohl aus der EU, als auch von überall aus der Welt betreuen und begleiten. Auch der Grundstein des neuen Projekts ZUSA, unsere Wirtschaft, Behörden und Bildung interkulturell zu öffnen wurde bei WAKA gelegt. Neun Netzwerkpartner erarbeiteten zusammen neue Ideen und Leitlinien für Augsburg.

Die Schulung von mehr als 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Seminaren zur interkulturellen Öffnung war eine Säule von WAKA. Dieser Erfolg wird nun in ZUSA weitergeführt. Auch wurden 70 Personen zu Dolmetscherinnen und Dolmetschern ausgebildet. Sie stehen nicht nur zur reinen Übersetzung, sondern auch bei Fragen der Kultur und Integration Menschen mit Migrationshintergrund zur Seite. Städtische Formulare wurden in neuen Sprachen für unsere Bürgerinnen und Bürger übersetzt. Zum Beispiel: Arabisch, einfachem Deutsch oder Tigrina.

Im Juni 2015 startete das Projekt. Ende Mai 2018 endete es. Mit rund 900.000 Euro förderte die EU das Projekt. Geld, welches laut Reiner Erben ansonsten nicht in diesem Maße für Integrationsförderung in Augsburg zur Verfügung gestanden hätte. Reiner Erbens Resümee ist durchweg positiv: Ganz Augsburg profitiert durch diese Projekte. Nicht umsonst ist es Augsburg gelungen, bei zwei Projekten hintereinander so hohe Fördersummen zu gewinnen. „Im März 2015 arbeiteten im Büro für Migration, eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter. Heute sind es 14. Dies zeigt, welchen zentralen Stellenwert Integration auf der Agenda Augsburgs und bei mir einnimmt.“, so Erben weiter.

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Augsburg 2040 – Urbane Utopie im staatlichen Textilmuseum

Doch zurück zu ZUSA: Langfristig sollen nicht nur Stadtverwaltung, sondern die gesamte Stadtgesellschaft interkulturell offener werden. Das staatliche Textil- und Industriemuseum TIM als Projektpartner plant hierzu ein spannend-innovatives Projekt. Das TIM ist einer von fünf ZUSA-Projektpartnern. Neben dem Büro für Interkultur und dem TIM sind InnoVision Concepts, Tür an Tür und die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft A³ mit an Bord.

Museumsleiter Dr. Murr des TIM beschreibt sein Teilprojekt: Augsburg 2040 als offenen Dialog zur urbanen Utopie einer Stadt. Auf einer 1.000 Quadratmeter großen völlig freien Ausstellungsfläche soll schon heute die Vision von Augsburg im Jahr 2040 entstehen. Sieben bis acht Handlungsfelder sollen von inklusiven und interkulturellen Teams gestaltet werden. 

Das Ergebnis? Murr ist völlig offen: Wir schauen was passiert. Vielleicht wird ein Tiny-Haus gebaut, neue Formen des gemeinsamen Arbeitens entwickelt, Konferenzen organisiert oder zu einem Konzert eingeladen. Sicher ist nur eines, es wird spannend.

„Augsburg 2040 steht dafür, wie sich Museen entwickeln und verändern. Wir erproben völlig neue innovative Museums-Formate. Wir drehen den Zeitstrahl um. Vom Jahr 2040 aus überlegen wir schon jetzt, wie das Leben unserer Kinder aussehen wird, wenn sie erwachsen sind. Die Frage der Integration muss sich hier zentral stellen. Sind doch viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund unsere zukünftigen Bürgerinnen und Bürger“, zieht Murr sein Fazit.

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