Ausstellung: Jüdisches Leben in Augsburg nach der Katastrophe – Im Übergang. Jüdische Gegenwart, 1990 – 2010

Grußwort zur Ausstellungseröffnung

Sehr geehrte Frau Knobloch,

sehr geehrter Herr Mazo,

sehr geehrte Frau Dr. Schönhagen

meine sehr geehrten Damen und Herren.

Herzlichen Dank für die Einladung zur heutigen Ausstellungseröffnung. Ich verbinde damit die besten Grüße der Stadt Augsburg und ganz besonders von Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der leider heute nicht selbst anwesend sein kann.

Ich bin in der Stadtregierung verantwortlich für das Thema Migration und will deshalb gerne die Grüße und auch die Wertschätzung der Stadt für diese Ausstellung überbringen.

Im Übergang – jüdische Gegenwart 1990 – 2010, so die Überschrift zur Ausstellung – das beschreibt sicherlich auch die Geschichte und die Aktualität von Migration und Integration in Augsburg. Dabei müssen wir in Bezug auf die israelitischen Gemeinden gerade auf die letzten 2 ½ Jahrzehnte blicken.

Denn besonders nach der Wiedervereinigung Deutschlands und den Veränderungen in der politischen Großwetterlage haben die Kultusgemeinden – nicht zuletzt die Augsburger – einen starken Zuzug von neuen Mitgliedern aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion erfahren.

Eine ähnliche Stärkung der Gemeinde – mit etwas anderen Vorzeichen - haben wir in Augsburg schon zum Ende des 19. Jahrhunderts erlebt. Damals gab es einen deutlichen Zuzug von Angehörigen der jüdischen Religion in unsere Stadt aus dem bayerisch-schwäbischen Raum.

Dieser Zuzug war aus historischer Sicht ein unbestreitbarer Gewinn für unser Gemeinwesen. Er hat den sozialen und kulturellen Horizont in unserer Stadt geweitet. Viele Menschen jüdischen Glaubens  sind in dieser Zeit Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt geworden. Auch der Bau der Synagoge, in der wir heute zu Gast sein können, ist letztlich eine Konsequenz des Anwachsens der jüdischen Gemeinde zu dieser Zeit.

Seitdem ist viel passiert. Besonders deutlich wird das natürlich in der Synagoge, dem vielleicht bedeutendsten Jugendstilbauwerks seiner Art. Seit ihrer Wiederherstellung und der Einrichtung des Jüdischen Kulturmuseums im September 1985, dem großen Augsburger Jubiläumsjahr, hat die israelitische Kultusgemeinde wieder ein großes, repräsentatives Zentrum der Glaubensausübung, des Zusammenkommens, der Gemeinde- und Öffentlichkeitsarbeit. Mit der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber ist außerdem dem Museum erst vor kurzem eine Dependance hinzugewachsen.

Das gibt uns Hoffnung und ist ein Beleg dafür, dass jüdisches Leben wieder den Stellenwert in der Stadtgesellschaft gewinnen wird, den sie vor den verheerenden, mörderischen und menschenverachtenden Verbrechen der Nazi-Diktatur in Augsburg ganz selbstverständlich hatte.

Dabei wollen wir nicht verschweigen, dass gerade die jüngere Zeit viele Schwierigkeiten birgt. Die neuen Gemeindemitglieder brauchen große Unterstützung - im Erwerb der deutschen Sprache ebenso, wie in der religiösen Unterweisung. Hier leistet die Kultusgemeinde großartige Arbeit.

Die vielfältigen kulturellen Beiträge der Gemeinde sind für die gesamte Stadt ein großer Gewinn. Ein Gewinn, den auch die Arbeit des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben für unser Gemeinwesen darstellt. Hervorheben will ich neben den regelmäßigen Ausstellungen und der Wirkung in die Augsburger Schulen hinein vor allem die Reihe der „Lebenslinien“, in der die Biographien von noch lebenden Zeitzeugen festgehalten und systematisch gesammelt werden. Das ist ein ganz wesentlicher Beitrag für unsere gemeinsame Erinnerungskultur, der in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug angesetzt werden kann.

Die Stadt Augsburg konnte dieses Projekt und auch seine Verstetigung durch eine audio-visuelle Präsentation im Rahmen der vom Bund finanzierten Programme „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ und „Demokratie leben!“ über die letzten Jahre fördern.

Dennoch: Die persönliche Situation bleibt für viele Gemeindemitglieder problematisch. Die wichtigsten Stichworte sind in diesem Zusammenhang sicherlich die Suche nach Arbeit und die Anerkennung von Berufsabschlüssen und Qualifikationen, die außerhalb Deutschlands erworben wurden sowie die Sprachförderung. Entsprechende Unterstützung bei diesen Themen sind ein wichtiger Beitrag für die gesellschaftliche Integration in unserer Stadt.

In allen diesen Bereichen arbeiten wir als Stadt, vor allem durch das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt in meinem Referatsbereich, an Verbesserungen und daran, dass Zuwanderung als das begriffen wird, was es ist: der Normalfall in einer modernen Stadtgesellschaft.

Beispiele für diese Arbeit sind die Interkulturelle Öffnung der Verwaltung, bei der wir über Maßnahmen der Personalentwicklung und der Organisation der Verwaltung zu einem noch besseren Ansprechpartner für alle Augsburger und Augsburgerinnen werden wollen.

Ein weiteres Beispiel ist die strukturierte Entwicklung eines Integrationsmonitorings, das die Fortschreibung unseres Integrationskonzepts flankiert. Uns geht es dabei darum, passgenaue, nachhaltige Angebote für eine möglichst breite Zielgruppe zu schaffen und nicht nur auf kurzfristige Aktualitäten zu reagieren. Dazu gehört eine gründliche Analyse der Bedarfslagen und die Stärkung und gegebenenfalls Entwicklung von Instrumenten der Unterstützung.

Ein drittes Beispiel ist die aktuelle Neuausrichtung des Integrationsbeirats, in dem auch die Israelitische Kultusgemeinde beratendes Mitglied ist. Wir wollen dieses Gremium in seinen Kompetenzen und in seiner gesellschaftspolitischen Wirkung stärken. Gleichzeitig soll es näher an den Stadtrat herangebracht werden und mit Migrantenorganisationen enger zusammenarbeiten.

Stadt und Integrationsbeirat können auch in einem anderen Feld Hilfe und Unterstützung geben:

Wir haben in den vergangenen rund zwei Jahren bundesweit und damit auch in Augsburg eine neue, starke Zuwanderung erlebt, die in Flucht vor Krieg und existenzieller Not ihre Gründe findet.

Viele dieser Flüchtlinge kommen aus Regionen der Welt, in denen über einen langen Zeitraum Ressentiments bis zum offenen Hass gegenüber dem Staat Israel und dem jüdischen Glauben allgemein gelebt wurde.

Wir müssen die Sorge, die Angst der Menschen jüdischen Glaubens in unserer Stadt verstehen und ernst nehmen, die diese Zuwanderung in Teilen auch als Bedrohung verstehen. Gleichzeitig will ich werben für die selbstverständliche Erfüllung unserer humanitären Verpflichtungen.

Die Stadt Augsburg bekennt sich klar zur Verteidigung das unbestrittenen Rechts der freien Meinungsäußerung. Klar ist für uns aber auch:

-      wir dürfen in Augsburg Demonstrationen nicht unwidersprochen lassen, die sich gegen den Staat Israel allgemein richten und damit nichts anderes als Menschen des jüdischen Glaubens meinen,

-      wir dürfen es auf keinen Fall dulden, wenn aus anderen Staaten importierte Konflikte das sichere Leben aller Augsburgerinnen Augsburger in Frage stellen,

-      wir müssen jeder Äußerung des Antisemitismus, des Rechtsradikalismus und Rassismus klar und entschieden entgegentreten und dürfen keine Agitation der religiösen Diskriminierung, kein Anzeichen von Gewalt und allgemeiner Menschenfeindlichkeit zulassen.

Gerade hier in der Augsburger Synagoge, gerade heute bei einer Ausstellungseröffnung, die jüdisches Leben in den letzten 20 Jahren in unserer Stadt sichtbar macht, ist es mir wichtig, auf die Gefahren für unsere demokratische Stadtgesellschaft hinzuweisen.

Lassen Sie uns gemeinsam an diesen Herausforderungen arbeiten. Ich will Ihnen gerne die weitere Unterstützung des Stadtrats und der Stadt Augsburg auf diesem Weg zusagen. Für den Stadtrat möchte ich Ihnen Dank für die bisher geleistete Arbeit sagen. Die Zuwanderung in die israelitische Kultusgemeinde und das jüdische Leben in Augsburg nach der Katastrophe ist ein Gewinn für die Friedensstadt!

Der Ausstellung wünsche ich eine gute Resonanz beim interessierten Publikum. Ihren „Machern“ und „Macherinnen“ einen herzlichen Dank für Ihr Engagement!

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