Rede zur Buchvorstellung: „Neue Heimat Augsburg – Selbstzeugnisse deutsch-türkischer Augsburger“

Sehr geehrter Herr Prof. Weber,

Sehr geehrter Herr Dr. Murr,

Liebe Frau Schoene,

Meine Damen und Herren,

 

vielen Dank für die Einladung und die Chance hier in diesen schönen Räumen über das Thema Migration zu sprechen, für das ich seit einem Jahr in der Stadt Augsburg zuständig bin. 

Aber was heißt schon zuständig. 

Dieses Thema ist Thema der gesamten Stadtgesellschaft und es geht viel mehr darum: wer ist wofür verantwortlich. 

Eine Verantwortung, die ich für die Stadt gerne annehme, ist das Sichtbarmachen und die Wertschätzung der vielkulturellen Stadtgesellschaft. Ich bin mir sicher, dass es dazu noch vieler Anstrengungen bedarf, nur ein Schlagwort dafür ist die interkulturelle Öffnung der Verwaltung.

Darum wird sich das von mir eingerichtete Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt kümmern. Die neue Leiterin, Frau Dr. Spohn wird sich gleich selbst noch vorstellen, auch für diese Gelegenheit vielen Dank. 

Das angesprochene Sichtbarmachen von Vielkulturalität einer Stadtgesellschaft hat natürlich mit den Menschen zu tun, die in dieser Stadtgesellschaft leben, die hier in Augsburg leben. 

Damit bin ich beim Thema des vorzustellenden Buches. 

Wer wünscht sich nicht, eine Heimat zu haben, einen Ort, an dem man sich wohlfühlt, mit dem man schöne Erinnerungen verbindet, an dem man eine Familie gegründet hat, an dem man irgendwann einmal die letzte Ruhe finden möchte.

Viele von uns haben diesen Ort, ohne dass er uns jemals strittig gemacht wurde. Wir leben einfach dort und machen uns nur selten über etwas so scheinbar Selbstverständliches Gedanken. 

Wie aber ergeht es Menschen, die von weither – und oft im Erwachsenenalter - nach Augsburg kommen? Die nicht nur aus anderen Bundesländern zu uns kommen – auch das kann ein Kulturschock sein-  sondern aus anderen Ländern, aus anderen Erdteilen. Oft mit der Idee, ein, zwei Jahre zu bleiben, um dann wieder in die Heimat zurückzugehen.

Kaum jemand der Männer und Frauen, die für den Band „Neue Heimat Augsburg – Selbstzeugnisse deutsch-türkischer Augsburger“ von der Journalistin Stefanie Schöne interviewt worden sind, hatte sich damals vorstellen können, hier wirklich eine Heimat zu finden.

Einen Ort, an dem man Geld verdienen kann - ja;

Einen Ort, an dem man sich aufhält, um in der Heimat bei Rückkehr wieder etwas aufzubauen – ja-.

Aber dass sich Augsburg einmal als die eigentliche und die zweite Heimat entwickeln würde, das haben nicht viele gedacht oder geplant. 

Ein großer Verdienst des Buches, das wir heute Abend vorstellen möchten, ist es, diesen Menschen eine Stimme zu geben und sie damit wertzuschätzen mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Geschichte. Menschen eine Stimme zu geben, die in den 60er und 70 er Jahren als Arbeitsmigrantinnen und -migranten nach Augsburg kamen und im Laufe der Jahre festgestellt haben, dass Augsburg mehr geworden ist, als der Ort, an dem man eine kurze Zeit arbeitet.

Augsburg ist die Heimat ihrer Kinder und Enkelkinder geworden – oft kennen diese keine andere. Und irgendwann – wenn man mal wieder auf Besuch in der alten Heimat, in der Türkei, war, haben die Menschen festgestellt, dass sie noch eine Heimat haben. Augsburg nämlich.

 

Die Türkei ist ein religiöser und ethnischer Vielvölkerstaat und gerade die Migration aus der Türkei hat dazu geführt,

dass Menschen muslimischen, christlichen oder jüdischen Glaubens nach Deutschland einwanderten und sehr unterschiedliche Erfahrungen in dieser neuen Heimat machten.

 

So war es für Christen aus der Türkei ein ungewohntes Gefühl, sich in einem mehrheitlich christlich geprägten Land wieder zu finden in dem die eigenen Feiertage gleichzeitig die für alle gültigen Feiertage waren. Für die muslimischen Migrantinnen und Migranten aus der Türkei war es hingegen eine ungewohnte Erfahrung plötzlich nicht nur zu einer ethnischen, sondern auch zu einer religiösen Minderheit zu gehören.

 

All diese Erzählungen sind Teil unserer gemeinsamen Augsburger Geschichte. Heute Abend und mit dem Buch bekommen diese Menschen eine Stimme. Sie werden auch erzählen, wie schwer der Anfang war, wie ungewohnt das Land und das Leben. Nicht immer ist es ihnen leicht gemacht worden, hier eine Heimat zu finden. Ablehnung, Fremdenfeindlichkeit, die offene, meist aber sehr verdeckte Abwertung, das Absprechen, dass man wirklich dazu gehört, war und ist für viele ein schmerzliches Kapitel in ihrer Biographie.

 

 

Ich, als der für das Thema Migration zuständige Referent und Frau Dr. Spohn, die neue Leiterin des Büros für Migration, die Sie gleich noch kennenlernen werden, finden die Idee und die Umsetzung für dieses Buch wunderbar.

 

Herzlichen Dank an Sie, Herr Prof. Weber und Ihre Kolleginnen und Kollegen am Institut für Europäische Kulturgeschichte der Uni Augsburg. Als Kind dieser Universität, der immer wollte, dass sich Stadt und Universität besser vernetzen, bin ich sehr zufrieden über diese Zusammenarbeit.

 

Herzlichen Dank Frau Schoene, für die Initiative und die Umsetzung des Buches.

 

Und nun bin ich sehr gespannt auf das, was uns heute Abend hier erwartet. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

 

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