Sachstand Baumpflege mit aktuellen Fällungen und Neupflanzungen

Aktueller Stand der Baumpflege und Fällungen aus Verkehrssicherheitsgründen der Bäume in öffentlichen Grünanlagen und an Straßen in Augsburg

Seit August 2017 wird die Baumkontrolle in Augsburg digital unterstützt. Alle erfassten Daten können abgerufen werden. Während der visuellen Baumkontrolle werden die Maßnahmen nicht mehr auf Papier erfasst, sondern in einem digitalen Baumkataster. Etwa 21.000 Bäume wurden bisher in Grünanlagen und im Straßenbegleitgrün erfasst, das sind überwiegend die Bäume, an denen Maßnahmen zu erledigen sind, bzw. schon erledigt wurden. Da die sog. Ersterfassung der Bäume mehr Zeit in Anspruch nimmt, als die reine Sichtkontrolle, ist es nicht möglich, alle Bäume innerhalb eines Jahres aufzunehmen. Voraussichtlich werden für die gesamte Erfassung 3-4 Jahre benötigt, wir schätzen, dass es mind. 80.000 Bäume insg. sind.

Inzwischen sind nahezu sämtliche Aufträge in Papierform abgearbeitet und es wird ausschließlich mit dem Baumkataster gearbeitet.

In Grünanlagen und im Straßenbegleitgrün waren am 24.10.2018 (Abfragetag) Pflegemaßnahmen an 6770 Bäumen offen, darin enthalten sind 356 Fällungen. Gegenüber der Gesamtmenge der Bäume sind die Fällungen eher marginal (0,4%). Das Fachamt geht davon aus, dass durch Naturverjüngung zusammen mit Nachpflanzungen die Zahl der Fällungen gut kompensiert wird.

Es sind auch Pflegemaßnahmen an 1490 Jungbäumen erforderlich, dort ist eine Jungbaumerziehung vorgesehen. Diese Maßnahmen sind wichtig für eine vitale, zukunftsorientierte und standortgerechte Entwicklung. Eine fachgerechte Jungbaumerziehung beugt Spätschäden vor und ist deshalb auf Dauer eine nachhaltige und kosteneinsparende Investition. 

Hinweis zu den statistischen Zahlen aus dem Baumkataster: Die Zahlen ändern sich täglich mit den laufenden Eintragungen.

Begründung für die hohe Anzahl an Pflegemaßnahmen bzw. den hohen Anteil an Fällungen:

Ohne absolute Zahlen zu haben, kann festgestellt werden, dass die Anzahl der erforderlichen Pflegemaßnahmen erheblich zugenommen hat. Seit 10 Jahren beobachtet das Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen, dass Krankheiten und Schäden an Stadtbäumen deutlich zunehmen. Dieses ist sicherlich den zunehmend extremeren Standortbedingungen geschuldet. Trockenstress, Hitze, Verdichtung, Anreicherung von Salzen und Schadstoffen im Boden, falsche Baumartenwahl, nachträgliche Versiegelungen und zahlreiche Aufgrabungen im Straßenbegleitgrün verursachen Vitalitätsdefizite, Totholzbildung bis hin zum Absterben von Kronenteilen und zum Absterben von ganzen Bäumen. Geschwächte Bäume sind auch weniger resistent gegen Schädlinge und Krankheiten. Dazu kommt die Ausbreitung neuer, bisher seltener oder unbekannter Pilze und Schädlinge, die die Bäume zusätzlich schädigen.

An erster Stelle ist hier das Eschentriebsterben zu nennen, weshalb der größte Anteil der zu fällenden Bäume Eschen sind (69 Stück). Auch andere einheimische Baumarten sind massiv betroffen. Ahorn-Bäume (53 Stück), Linden (41 Stück) und Birken (36 Stück) müssen am häufigsten gefällt werden und liegen auch bei den Baumpflegearbeiten wie Totholz entfernen, Kronenpflege und Kronenrückschnitten ganz weit vorne.

Es ist zu befürchten, dass zahlreiche Trockenschäden aufgrund der sehr langen und anhaltenden Trockenheit erst im nächsten Jahr sichtbar werden. Deshalb wird sich die Situation voraussichtlich auch mittelfristig nicht entspannen oder noch verschärfen.

Sonstige Maßnahmen:

Im Winter 2019 wird wieder die große Platane am alten Gögginger Rathaus geschnitten. Zur Erhaltung der Verkehrssicherheit und der Standsicherheit des Baumes ist eine erneute Kroneneinkürzung und der Einbau und die Überprüfung von Kronensicherungen erforderlich. Da der Baum sehr nah an der Straße und auch an der Straßenbahnlinie in der Von-Cobres-Straße steht, ist der Aufwand erheblich und soll in Eigenleistung durch Mitarbeiter des Amtes erfolgen. 

Am Autobahnsee zwischen der Wasserfläche und der Autobahn befindet sich ein waldartiger Grünstreifen mit diversen Bäumen und dichten Sträuchern bewachsen. Dort stehen noch einige Pappeln, die im ungünstigsten Fall auf die Autobahn stürzen könnten. Ein Teil der Pappeln, die zur Papiergewinnung vor ca. 60-70 Jahren gepflanzt wurden, mussten schon in den letzten Jahren sukzessive gefällt werden. Die Pappeln sind durch Stockfäule und mangelnde Standsicherheit gekennzeichnet. Das Fachamt wird deshalb nochmal einige Pappeln aus dem waldartigen Bereich entfernen. Die Flächen sind aber auch jetzt schon mit zahlreichen anderen Laubgehölzen bewachsen, so dass der Charakter des Grünstreifens erhalten bleibt. 

Zwischen Gabelsbergerstraße und Fußgängerbrücke am Spiesleweg muss die Böschung an der B17 von Pioniergehölzen freigestellt werden. Die Lärmschutzwände sind nicht für den Bewuchs mit Gehölzen vorgesehen. Auch hier werden die Lärmschutzbauwerke sukzessive von Gehölzen, die sich über Samenanflug dort angesiedelt haben, freigestellt. 

Geplante Gehölzschnittmaßnahmen zur Verjüngung und Regeneration von Gehölzgruppen, Hecken und waldartigen Bereichen - Plenterarbeiten

Neben den Fällungen zur Erhaltung der Verkehrssicherheit, finden auch Gehölzrückschnitte und Fällungen zur Auslichtung von Gehölzbeständen statt. Diese Arbeiten werden ausschließlich außerhalb der Vogelbrutzeit zwischen dem 01. Oktober und dem 28. Februar durchgeführt. Hierbei werden besonders wertvolle Einzelbäume zur besseren Entwicklung freigestellt oder ganze Bereiche ausgelichtet, damit dort wärme- und lichtliebende Arten gefördert werden und einen geeigneten Lebensraum bekommen. Die Gehölzstreifen werden nicht entfernt, sondern verjüngt. Die Maßnahmen finden immer abschnittweise statt, so dass ggf. im Frühjahr Vögel u.a. auf benachbarte Strukturen ausweichen können. 

Nachpflanzungen auf freien Baumstandorten

Im Frühjahr 2018 wurden ca. 200 Bäume nachgepflanzt (aus Beschaffung 2017). Im Herbst/Winter 2018/2019 werden nochmals ca. 150 Bäume im Straßenbegleitgrün und in Grünanlagen nachgepflanzt. Die Bäume werden im November 2018 geliefert.

Bei der Beschaffung von Gehölzen muss die Pflanzung und Pflege der Jungbäume mitberücksichtigt werden. Insbesondere in diesem Jahr mit der anhaltenden Wärme und Trockenheit seit April war der Bedarf zu wässern besonders hoch. Über 500 Standorte mussten in den Sommermonaten 2018 regelmäßig gewässert werden, dabei handelte es sich überwiegend um Jungbäume im 1. und 2. Standjahr. Sehr aufwändig ist auch der Wurzelschutz: Damit Leitungen von Baumwurzeln dauerhaft getrennt bleiben, haben sich auch die Anforderungen beim Pflanzen bezüglich dem Wurzelschutz deutlich erhöht. Das Pflanzen (die eigentliche Tätigkeit) der Bäume ist deshalb eine organisatorische Herausforderung, von der Einholung einer verkehrsrechtlichen Genehmigung zum Arbeiten an Straßen, dem Sichten von Leitungsplänen, der Vorhaltung von Substrat und Maschinen bis zur fachlichen Betreuung und Abwicklung des Vorgangs. Um alle o.g. Maßnahmen beim Pflanzen und in der Pflege zur vollsten Zufriedenheit erledigen zu können, sind im Fachbereich für 2018/2019 vorerst etwas weniger Neupflanzungen vorgesehen. Hier wurde die Kapazitätsgrenze erreicht. Es ist zielführender, die gepflanzten Bäume ausreichend zu pflegen und ihnen eine Zukunft zu geben, als zu viele Bäume zu pflanzen, die dann aufgrund von Pflegemängeln möglicherweise Schaden nehmen.

Um den zunehmenden Anforderungen gerecht zu werden, justiert das Fachamt laufend nach. Beispielsweise wird die Ausstattung für den Gießdienst weiter verbessert. Eine deutliche Verbesserung ist außerdem nur zu erreichen, wenn der Fachbereich Grünflächenpflege erneut mit zusätzlichem qualifiziertem Personal, mit Sachleistungen und Finanzmitteln ausgestattet wird. Das Amt ist auch permanent engagiert, die Personal- und Finanzstruktur an die Bedürfnisse anzupassen.

Wie aus o.g. Ausführungen ersichtlich wird, hat das Amt die ihm zur Verfügung stehenden Mittel zum Bäume pflanzen ausgeschöpft. Eine noch weiter verbesserte Durchgrünung der Stadt kann nur in enger Zusammenarbeit und durch die Unterstützung anderer Dienststellen, u.a. durch das Baureferat und die Stadtwerke, erfolgen. Bezüglich des Themas Bäume bestehen bereits auf verschiedenen Ebenen Gespräche.

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