Stadt leistet „Umzugshilfe“ für Theater-Fledermäuse

Pressemitteilung der Stadt Augsburg

In einer kleinen Kammer unter dem Dach des Verwaltungsgebäudes I der Stadt Augsburg lebt Fridolin, die Fledermaus. Besuch gab es heute von Umweltreferent Reiner Erben und Claudia Weißschädel vom Verein Fledermausschutz Augsburg. Foto: Ruth Plössel/Stadt Augsburg

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Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind alle heimischen Fledermausarten streng geschützt. Ihre Quartiere dürfen weder beschädigt noch zerstört werden. Andernfalls ist für adäquaten Ersatz zu sorgen. Dies ist zum Beispiel auch mit Blick auf die Theatersanierung zu beachten: Im Dachstuhl des Verwaltungsgebäudes an der Kasernstraße haben sich zahlreiche Fledermäuse eingenistet. „In freier Natur finden die Tiere immer weniger warme und störungsfreie Plätze. Deshalb sind für sie Kirchen, alte Scheunen oder Dachböden alter Gebäude willkommene Alternativen“, sagt Umweltreferent Reiner Erben.

Weil das Verwaltungsgebäude des Theaters für einen Neubau weichen muss, werden in Zusammenarbeit mit dem Fledermausschutz Augsburg e.V. bereits jetzt neue Quartiere geschaffen und die Tiere zum „Umzug“ animiert. Dazu geben zwei Fledermausquartiere Hilfestellung, die sich jeweils im des Gesundheitsamtes sowie des städtischen
Verwaltungsgebäudes am Rathausplatz befinden.

Lockrufe sollen zum „Umzug“ animieren

In beide Dachstühle wurden Anfang Oktober neue quadratische Quartiere aus Holz und mit Tüchern zum Verstecken eingebaut. Sie werden bereits von je einem Abendsegler bewohnt. Die Tiere sind durch einen Unfall mit einem Auto flugunfähig geworden. „Die Lockrufe, die sie aussenden, sollen ihren Artgenossen signalisieren: Hier ist es warm, sicher, trocken und es gibt zu Fressen. Da die Tiere nur in ihrem Quartier wohnen, kommen sie in den übrigen Dachboden nicht hinein. So kann ihr Zuhause auch leicht gesäubert werden“, beschreibt Reiner Erben das
Fledermaus-Projekt, zu dem auch die neuen Fledermauskästen am Herrenbach und die neuen Quartiere in Baumhöhlen im Stadtwald gehören.

Die Stadt arbeitet dabei mit dem Fledermausschutz Augsburg e.V. zusammen. Claudia Weißschädel ist ehrenamtliche Mitarbeiterin und Ansprechpartnerin für gefundene oder geschwächte Fledermäuse im Raum Augsburg: „Viele einheimische Fledermausarten sind vom Aussterben bedroht, deshalb setzen wir uns ganz praktisch für die Tiere ein. Wir erkunden und schützen Fledermausvorkommen, pflegen verletzte oder junge Fledermäuse und beraten Personen, die Fledermausquartiere haben.“

Fledermäuse werden durchgängig betreut
Auch die beiden flugunfähigen Abendsegler wurden auf diese Weise zu „Mitarbeitern“ beim städtischen „Umsiedlungsprojekt“ für Fledermäuse. „Um die beiden Tiere kümmern sich städtische Betreuer ganz toll. Wir stehen miteinander in Kontakt und können alles Notwendige besprechen. Zu ihrer Unterstützung übernehmen wir ehrenamtliche Fledermausschützer am Wochenende und an Feiertagen dann die Fütterung und säubern die Kästen. Die Abendsegler erhalten zudem einmal wöchentlich eine Gabe von Vitaminen und auch ein Gesundheitscheck wird
durchgeführt“, so Weißschädel.

Die Experten des Fledermausschutz-Vereins bezeichnen die Vorgehensweise, Fledermäusen mit Lockrufen von Artgenossen neue Quartiere zu verschaffen, als „etwas ganz Besonderes und in Augsburg in jedem Fall bislang einzigartig“. Umso größer ist die Hoffnung, dass sich die beiden Stadt-Fledermäuse schon bald in zahlreicher Gesellschaft ihrer Artgenossen befinden.

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