Unsere Stadtwaldbäche – Entdecken, was die EU für unser Wasser tut

„Die EU ist nicht nur genormte Salatgurken, Bürokratie oder Brexit. Sie gestaltet maßgeblich unsere Umweltschutzpolitik und bewahrt unsere regionalen Besonderheiten“, erklärt Peter Rauscher, Vorsitzender der Grünen Augsburg zum Start einer Fahrradtour durch den Siebentischwald. Im Rahmen der Europawoche luden Umweltreferent Reiner Erben und Peter Rauscher interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, gemeinsam die Stadtwaldbäche Augsburgs zu entdecken. „Die Wasserrahmenrichtlinie der EU hat das Ziel, einen guten Zustand aller Gewässer in Europa zu gewährleisten. Seit dem Jahr 2000 wurde hierbei viel erreicht. Sie trägt somit auch zum Schutz unserer gemeinsamen Wassergeschichte bei. Mit Veranstaltungen wie dieser im Rahmen der Europawoche möchten wir zeigen, auf welch vielfältige Art und Weise die EU unser Leben und unsere Heimat bereichert“, ergänzt Reiner Erben.

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Bei strahlendem Sonnenschein ging es vom Zoo südlich in den Siebentischwald. Die Führung und Erklärung übernahm Nicolas Liebig, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverband Augsburg e.V..  Erster Halt war die Stelle, an welcher sich der Siebenbrunner Bach auf Höhe des Botanischen Gartens in den Brunnengraben und den Spitalbach aufteilt. Im Siebenbrunner Bach wird das Lechwasser zusammengeführt, das die Lechkanäle im Haunstetter Wald führen. Das sind neben dem Neuen Graben und dem Gießer der Bayerbach, der Aumühlbach und der Alte Floßgraben. Diese Bäche wiederum erhalten ihr Wasser aus dem Lochbach.

Historische Wasserinfrastruktur zukunftsweisend

„Augsburgs Verbindung zum Wasser ist einzigartig. Die Kanäle, Bäche, Brunnen – das gesamte historische Wassersystem begeistert auch heute Experten und Laien. Wir sind auf dem Weg zur Anerkennung dieser Leistung durch die UNESCO als Weltkulturerbe. Man darf bei den prachtvollen Brunnen und den Wassertürmen aber nicht den Siebentischwald vergessen. Auf eine einzigartige Weise wird zum Beispiel das Wasser aus dem Lech und Quellwasser – früher also Trinkwasser – übereinander und nebeneinander vorbei geleitet“, erklärt Erben.

Der Sonne und den Bächen folgend ging es weiter südlich bis zum sogenannten Galgenablass. Ein Himmelsweiher auf dem Weg lud zu einer kurzen Pause ein. Bombenkrater aus dem Zweiten Weltkrieg werden mit Kautschukfolie abgedichtet und bilden so kleine Tümpel, Teiche und Weiher. Ihr Name leitet sich vom Regen ab, der als einzige Quelle die Weiher füllt. Gab es früher noch viele kleine Teiche und Weiher, sind diese durch die Regulation selten geworden. Die Himmelsweiher bieten so vor allem Fröschen, Kröten und allen Tieren, Insekten und Pflanzen eine Heimat, die stehende Gewässer bevorzugen. Himmelsweiher werden – neben weiteren Projekten – durch die Mehrerlöse des Regenio-Tarifs der Stadtwerke finanziert.

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Am Galgenablass angekommen offenbart sich die Raffinesse der Stadtwaldbäche. Gerne wird behauptet, dass hier früher ein Galgen stand. Ankommende Reisende auf dem Weg nach Augsburg soll so beim Anblick der Erhängten vor Augen geführt worden sein, dass in Augsburg Recht und Ordnung herrscht. In Wahrheit befand sich hier einmal eine Schleuse. Sie regulierte die Wassermenge im Siebenbrunner Bach. Der dafür nötige „Schütz“ (eine Bretterwand) war an einer Vorrichtung „aufgehängt“, die einem Galgen glich. Im Gegensatz zu den meisten Bächen im Stadtwald verläuft der Grenzgraben nicht in Süd-Nord- sondern in West- Ost-Richtung. Sein Wasser erhält der Grenzgraben aus dem Brunnenbach. Die Ausleitung befindet sich nordwestlich von Siebenbrunn. Unweit vom Hochablass wird aus dem Grenzgraben der Reichskanal.

Erfolge der EU hautnah im Alltag

„Die EU sorgt mit ihren Programmen maßgeblich dafür, dass unser Stadtwald auch in Zukunft uns sauberes Trinkwasser liefert und mehr als 3.000 Tier-, Insekten- und Pflanzenarten einen Lebensraum finden. Wir laden alle Augsburgerinnen und Augsburger ein, selber zu erleben, was die EU für uns und unsere Umwelt und die Tiere und Pflanzen unserer Region geleistet hat und sicherlich auch in Zukunft noch lange leisten wird“, so Rauscher.

Eine Geschichte faszinierte Rauscher und Erben: Zu Zeiten der Reichstage in Augsburg zu Zeiten des Kaiserreichs wurden ganze Viehherden aus Mittel- und Osteuropa nach Augsburg getrieben, um im Stadtmetz für den Verzehr durch die vielen Gäste zubereitet zu werden. Auch viele wandernde Handwerker, Schauspieler, Künstler und viele weitere mehr kamen als Arbeitsmigranten und Arbeitsmigrantinnen nach Augsburg, welches während der Reichstage mehr als 30.000 Menschen beherbergte. Gelebter Schengen-Raum schlussfolgern Rauscher und Erben.

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