Bewerbungsrede

für das Amt des Vorsitzenden des Landschaftspflegeverbandes Stadt Augsburg e.V.

am 1.4.2015

Wir haben eine verantwortungsvolle Aufgabe, wir – d.h. die Mitglieder des Landschaftspflegeverbandes Augsburg, dessen Vorstand ich seit 5 Jahren angehöre. Wir haben die Aufgabe uns stark zu machen für eines der größten Naturschutzgebiete in Bayern und da vor allem für die wertvollen Biotopflächen. Damit dies gelingt müssen wir die Herausforderung meistern, den Erhalt, die Entwicklung und den Verbund der reliktischen, stark isolierten Lebensraumtypen voralpiner Wildflüsse zu organisieren.

Diese Aufgabe und diese Herausforderung hat der Landschaftspflegeverband Augsburg in den letzten Jahren angenommen und wurde dafür auch mehrfach ausgezeichnet.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich für die gute Vorarbeit in den letzten Jahren bei Ihnen, Herr Schaal und bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken. Sie alle haben gute Grundlagen geschaffen für die Aufgaben der nächsten Jahre.

Die Arbeit wurde ausgezeichnet, weil es eine gemeinsam getragene Arbeit war und ist, eine gemeinsame Arbeit der den Landschaftspflegeverband tragenden Gruppen aus Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz und Kommune. Und in dieser Tradition will ich den Verband in den nächsten Jahren führen - gemeinsam mit einem hoch engagierten Team, das sich mit Nicolas Liebig an der Spitze auszeichnet durch ein enormes Maß an Motivation und durch eigenständiges und verantwortliches Handeln. Wichtig ist mir, die Kreativität, die Vernetzung und die Kompetenzen dieses Teams noch besser für Augsburg zu nutzen.

Ich will diesen Verband führen aus meinem Amt heraus als zuständiger Referent für Umwelt und Nachhaltigkeit. Ich denke, diese beiden Aufgabenbereiche und der Vorsitz des Landschaftspflegeverbandes passen gut zusammen, denn Landschaftspflege ist Umwelt- und Naturschutz und Landschaftspflege - wie sie gerade unser Verband mit seiner ausgeprägten Umweltbildungsarbeit leistet - ist ein wichtiger Beitrag für Nachhaltigkeit. Dazu muss sich die Stadt Augsburg bekennen und sie tut es auch und ich stehe als zuständiger berufsmäßiger Stadtrat dafür.

Und ich stehe für die Kooperation als Maxime für die Arbeit des Landschaftspflegeverbandes mit dem Ziel intakte, artenreiche Landschaften zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln.

Das funktioniert nur in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, denn dort sitzen die Experten für Landschaftspflege.

Ein gutes Beispiel dafür sind die sog. „PIK-Maßnahmen“, die produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen. Das ist der technische Begriff, viel besser gefällt mir eigentlich die Beschreibung als „wandernde Blühäcker“. Sie sind landesweit bekannt als „Augsburger Modell“.

Diese Maßnahmen sollten weitergeführt und ausgebaut werden – z.B. in den Feldfluren der Lechauen Nord oder im Wertachtal.

In den Lechauen Nord stehen die Chancen gut, die Landschaftspflege auszubauen. Ich habe erreicht, dass das Flurbereinigungsverfahren Lechhausen III am Branntweinbach weitergeführt werden kann, weil nun endlich die notwendigen Finanzmittel im Haushalt der Stadt stehen. Damit kann die mit der Landwirtschaft verabredete Umlegung von vereinzelten Ausgleichsflächen als Pufferstreifen an den Bachlauf umgesetzt werden. Es ist eine gute Investition, denn wir gewinnen Ausgleichsflächen und der Bachlauf wird als wichtige Biotopbrücke gesichert.

Die Flurneuordnung in den Lechauen Nord kann damit ein neues Erfolgsmodell werden:

  • Wir kümmern uns um den Schutzgegenstand Quellbach

  • Es entstehen städtische Ökokontoflächen als Pufferstreifen

  • und der LPVA ist als Umsetzer tätig

Als einer, der seit über 30 Jahren hier in der Stadt lebt, weiss ich, dass der Druck auf landwirtschaftliche Flächen sehr groß ist. Bebauung, Ausgleichsmaßnahmen, Naherholung sind die Stichworte.

Deshalb ist es wichtig, Ausgleichsflächen so gut wie möglich wieder landwirtschaftlicher Nutzung zuzuführen - unter naturschutzfachlichen Auflagen und entsprechende Honorierung.

Es gibt dafür positive Beispiele: die Ausgleichsflächen an der Bgm.-Wegele-Straße oder der Deponie Nord (beides ~ 12 ha) nutzt ein Wanderschäfer, der LPVA war hier Initiator.

Es gibt aber auch Handlungsbedarf: In Bannacker Nähe Bergheim liegen rund 20 ha „brach“, die könnten bspw. an Mutterkuhhalter verpachtet werden.

Ich will aber nicht nur schönreden, sondern auch Konflikte ansprechen, die auch im Landschaftspflegeverband Thema sind. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führen auch bei uns zu einer zunehmenden Intensivierung in der Landwirtschaft mit den bekannten Folgen für Natur und Landschaft, wobei ich hier ganz bewusst die Verbraucherinnen und Verbraucher in die Pflicht nehme.

Denn wir haben es durch unser Konsumverhalten in der Hand, welche Produktionsformen sich auf landwirtschaftlichen Fluren und in den Ställen etablieren. Tier- und Artenschutz fordern und gleichzeitig nur die billigsten Lebensmittel kaufen passt nicht zusammen!

Auch da hat der Landschaftspflegeverband mit der Vermarktung von Produkten aus der Landschaftspflege Zeichen gesetzt (Stichwort „Lechtal-Lamm“). Leider wird die Metzgerei Kaindl den Betrieb einstellen. Es muss deshalb unser Ziel sein, einen neuen Metzger zu finden und die Vermarktung wieder anzukurbeln.

Ein weiteres wichtiges Thema sind mir die Stadtwaldbäche, die durch das Projekt WaSser Leben ihre Namen zurückbekommen haben und Symbol sind als wichtige Verbindungsachsen von Natur und Landschaft.

Dort gibt es Handlungsbedarf aus fischökologische Sicht und wir können die Chancen nutzen im Licca liber Prozess und den Stadtwald über die Bäche an den Lech anbinden und so Wanderhilfen für Fische vom Lech in die Stadtwaldbäche schaffen.

Wichtig ist hier natürlich die Zusammenarbeit mit Fischereiverbänden.

Ein letztes Thema will ich ansprechen, das viel mit dem Landschaftspflegeverband und der dort in den letzten Jahren aufgebauten Umweltstation zu tun hat.

Augsburg braucht ein neues Umweltbildungszentrum auf dem Gelände des Botanischen Gartens. Dort ist die Schnittstelle Stadt – Natur, dort ist der Eingang ins Naturschutzgebiet. Im UBZ geht es um Bildung für nachhaltige Entwicklung, es geht um die Geschichte der Kulturlandschaft, es geht um Trinkwasserschutz.

Mit dem UBZ haben wir die einmalige Chance in Nachbarschaft zu Zoo/HWK/Bot. Garten das Areal städtebaulich aufzuwerten und in mittlerer Zukunft Erweiterungsmöglichkeiten für Naturmuseum und Planetarium zu schaffen und damit ein Zentrum für naturwissenschaftliche Bildung.

Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, den OB, meine Referentenkollegen und den Stadtrat von dieser Idee zu überzeugen und im Rahmen der Haushaltsberatungen die Mittel für den notwendigen Architektenwettbewerb für die Jahre 2015 und 2016 abzusichern. Das ist ein wichtiger Meilenstein für das UBZ. Die ersten Baumittel stehen dann ab dem Jahr 2017 im Investitionsplan des städtischen Haushalts.

Ich komme zum Schluss:

Der LPVA ist für mich und vor allem für Augsburg:

    • ein wichtiger Umsetzungspartner

    • eine Ideenschmiede

    • und eine Plattform für den Austausch zwischen den Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft und Kommunalpolitik

      Diese Plattform will ich weiter optimieren. Ich will die Möglichkeit der Satzung nutzen und einen Fachbeirat einberufen, um Themen zu diskutieren und neue Projekte anzuschieben.

      Dieser Fachbeirat bietet die Chance, gegenseitiges Verständnis der Paritäten weiter zu fördern! Dafür trete ich an und bitte um Ihre Unterstützung.

 

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