Zweiter Teil der Tagungstrilogie zur Willkommens- und Anerkennungskultur in Augsburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich begrüße Sie sehr herzlich zum zweiten Teil der Tagungstrilogie zur Willkommens- und Anerkennungskultur in Augsburg, dem Fachtag.

 

Als Referent für Nachhaltigkeit, Umwelt und Migration in der Stadt Augsburg freue ich mich sehr, dass das Thema unserer Tagung auf so ein lebhaftes Interesse stößt.

Ich begrüße Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung, Vertreterinnen und Vertreter der Universitäten, der VHS, der Wohlfahrtsverbände, der Kirchen, der freien Träger, der Kammern, der Medien, der Agentur und viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.

 

Kaum ein Thema beherrscht im Moment so sehr die Medien, die öffentliche Meinung, die politischen Debatten und die Stimmung im Land wie das Themenpaar Flucht und Asyl. Jeder, der die Bilder von den Kriegshandlungen, den Morden, dem Terror in Syrien, Afghanistan, dem Irak und vielen anderen Ländern gesehen hat, kann verstehen, warum Menschen alles zurücklassen und fliehen.

Warum Familien all ihr Geld in die Zukunft wenigstens eines Kindes investieren, und dieses Kind auf den langen, beschwerlichen und gefährlichen Weg nach Europa schicken.

Das Verständnis und die Solidarität sind groß.

 

„Refugees Welcome“ steht auf Plakaten, die an vielen Bahnhöfen in Deutschland von den tausenden von freiwilligen Helferinnen und Helfern immer wieder gezeigt werden. Die Stadt Augsburg hat auf die vielen Anfragen aus der Bürgerschaft reagiert und in nur zwei Wochen eine Webseite www.augsburg.de/asyl entwickelt, die Antworten auf viele, viele Fragen gibt. „Wer kommt zu uns?“ „Wie funktioniert ein Asylverfahren?“ und vor allem „Wie kann ich helfen?“. Unsere Webseite ist in den ersten drei Wochen über 25.000 Mal angeklickt worden und die häufigsten Klicks haben die Seiten: „ich möchte helfen“ bekommen.

 

Willkommenskultur in einer Ausnahmesituation. Was muss es wohl für Menschen bedeuten, die oft Monate der Flucht hinter sich haben – und dieses Schild sehen: „Refugees Welcome“.

 

Die gerade beschriebene Willkommenskultur ist die eine Seite. Die andere Seite sind Ängste, die mehr oder weniger offen geäußert werden. Wie werden wir weiterhin alle zusammenleben können? Was ist der Kitt, der unsere Gesellschaft auch weiterhin zusammenhält?

Können wir die hiesigen Werte und Normen vermitteln? Wie werden Aushandlungsprozesse laufen? Wie richten wir uns ein, um mit Menschen umzugehen, die zu einem großen Teil traumatische Erfahrungen in den Herkunftsländern und auf der langen Phase der Flucht erlebt haben? Wie gelingt es uns, nach dem Willkommen auch ein Klima der Anerkennung dauerhaft zu schaffen? Anerkennung im Sinne von Wertschätzung und im Sinn von gleichberechtigter Teilhabe an Bildung, an Arbeitsmarkt, an Ausbildung, an kulturellen Einrichtungen, auf dem Gesundheitssektor, auf dem Wohnungsmarkt – eben überall dort, wo wir derzeit noch messbar nachweisen können, dass Menschen mit Migrationshintergrund eben nicht die gleichen Chancen haben, wie Menschen ohne Migrationshintergrund.

 

Dass wir mit unserer Tagung so sehr in die Tagesaktualität stoßen, haben wir uns noch im April nicht vorstellen können. Wir hatten im April eher den Zuzug aus den Ländern der Europäischen Union im Blick. 2014 stand, wenn Sie sich erinnern, in vielen Städten ganz im Zeichen der Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien und der Jugendarbeitsmigration aus Griechenland und Spanien. 

 

Wir wollten mit der Tagung „Willkommens- und Anerkennungskultur“ etwas aufgreifen, das zentral ist für das Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft, wie es Deutschland nun mal seit vielen Generationen ist.

Wie gehen wir als Gesellschaft mit Menschen um, die neu in unsere Stadt kommen und wie, mit denen, die bereits seit vielen Generationen hier leben:

 

Willkommenskultur einerseits, Anerkennungskultur andererseits.

 

Das war unser Ausgangspunkt. Darüber wollten wir mit Ihnen und den geladenen Expertinnen und Experten reden. Hinzu kam, dass wir, als wir diese Tagung planten,  auf die Entscheidung gewartet haben, ob Augsburg den Zuschlag für ein großes EU Projekt bekommt, das den Namen WAKA trägt. WAKA sind die Anfangsbuchstaben für Willkommens- und Anerkennungskultur in Augsburg.

Zu unserer großen Freude, hat unser Verbundprojekt im Juni das Auswahlgremium überzeugen können. Die Netzwerkidee war unsere große Stärke. Die Stadt Augsburg, das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt  arbeitet gemeinsam mit Tür an Tür, Innovision Concept, der Diakonie, dem Roten Kreuz, der VHS, dem Grand Hotel Cosmopolis, dem Mesopotamien Verein daran,

Maßnahmen zu entwickeln, wie wir hier in Augsburg eine Kultur des Willkommens- und eine Kultur der Anerkennung umsetzen können.

Als zuständiger Referent geht es mir sehr stark um die konkrete Gestaltung dieser Prozesse in der Kommune. Daher bin ich zum einen auf die Ideen gespannt, die außerhalb Augsburgs entwickelt worden sind, und begrüße die auswärtigen Gäste sehr herzlich.

Mir ist aber sehr bewusst, dass es auf der anderen Seite Augsburg ist, das mit seinen Modellprojekten auch weithin in die Bundesrepublik ausstrahlt. Ich bin auf die Synergieeffekte gespannt, die sich ergeben, wenn neue Impulse in die Stadt kommen, die sich mit Bewährtem in der Stadt verbinden können. Daher bin ich auch besonders auf den Nachtag am 28.10. um 19.30 in der Mühle gespannt, wo es um die konkrete Weiterplanung gehen wird.

Am Schluss möchte ich mich bedanken für die Vorbereitung der Tagung beim Team des in meinem Referat angesiedelten Büros für Migration, Interkultur und Vielfalt, bei Dr. Margret Spohn, bei Robert Vogl, Michael Hegele, und Maria Odoncu. Herzlichen Dank.

 

Ich wünsche uns allen eine anregende Tagung, das Bewusstsein für das Gute und Funktionierende, das es bereits hier in Augsburg gibt und viele neue Ideen für die Zukunft. 

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